Steigende Krankenkassenprämien sind in aller Munde. Alle haben irgendwelche Rezepte zur Eindämmung der Kostenspirale, aber die Meinungen dazu gehen komplett auseinander. Ich meine, die Kostenspirale setzt sich zusammen aus vielen Puzzleteilen rund um Gesund- oder Krank-Sein. Es geht auch um die zunehmende Konsumhaltung der Menschen dem Gesundheitswesen gegenüber. Es ginge eigentlich auch um den sorgsamen Umgang mit Ressourcen.

Unlängst stolperte ich in der Apotheke über zwei Säcke voller Medikamente zur Entsorgung. In diesen meterhohen Säcken lagen schachtelweise Medikamente aus privaten Haushaltungen. Die Pharmaassistentin erklärte mir, sie würden pro Monat ungefähr zwei/drei solcher Säcke zur Entsorgung abgeben. Sie entnahm den Säcken wahllos drei Schachteln. Ein Medikament war abgelaufen, zwei noch innerhalb des Verfalldatums. Ein Medikament war ein handelsübliches, rezeptfreies Schmerzmittel. Nur zwei Tabletten fehlten.

Die Recherche bei weiteren Apotheken ergab, dass z.B. eine Apotheke im Kanton Basel-Landschaft mit einem grösseren Einzugsgebiet alle zwei Monate rund 12 Säcke Medikamente entsorgt. Gemäss Schätzungen des Bundesamts für Umwelt werden bis zu einem Drittel aller verkauften Medikamente nicht gebraucht. Rund die Hälfte davon wird nicht fachgerecht entsorgt, sondern landet im Hauskehrricht.

Alle Befragten in den Apotheken sagten, ein solcher Sack habe durchschnittlich den Wert von 500 Franken. Im Kanton Basel-Stadt gibt es 75 Apotheken. Man rechne! Wir entsorgen also in unserem Kanton jährlich einen Wert in Höhe von rund 450 000 Franken. In der Stellungnahme des Bundesrates vom 12.9.2014 auf das Postulat «Stopp der Medikamentenverschwendung!» von Viola Amherd (CVP) ist zu lesen, Santésuisse schätze, es würden jährlich in der Schweiz Arzneimittelabfälle im Wert von gegen 500 Millionen Franken anfallen.

Die Nationalrätin Francine John-Calame (Grüne) forderte bereits am 26.9.2011 mit einer Motion, brauchbare und nicht abgelaufene Medikamente wieder zu verwerten. Der Bundesrat lehnte dies in seiner Antwort vom 9.12.2011 ab. Er argumentierte: «Angesichts der Tatsache, dass die Entsorgung keine besonderen Schwierigkeiten bietet und aus Sicht des Umwelt- und Gesundheitsschutzes keine besonderen Probleme bestehen, wäre eine Regelung auf Bundesebene unter allgemeiner Klärung differenzierter Rücknahmepflichten unverhältnismässig.» Die Vollzugshilfe bei der Entsorgung fokussiert sich auf umweltverträgliche Entsorgung medizinischer Abfälle, praxisnahe Regelungen, Zwischenlagerungen und Arbeitssicherheit der für die Entsorgung medizinischer Sonderfälle zuständigen Personen. Fachpersonen in Apotheken argumentierten, man wisse nicht, ob die Medikamente sachgerecht gelagert gewesen seien. Und in Drittweltländern hätten Pflegepersonen keine Ahnung von der richtigen Anwendung einzelner Arzneimittel, was eine Wiederverwertung ausschliesse.

Wo bleibt das aktive Umdenken der Ärzte, der Krankenkassen, der Patient/innen und nicht zuletzt der Forschenden (Stichwort Ablaufdatum)? Medikamentenkosten machen rund 20% der Kosten der Grundversicherung aus. Es ist also an uns, den Endverbrauchern, aktiv mitzudenken und nicht unnötig Arzneimittel auf Vorrat zu horten, welche dann entsorgt werden müssen. Das Lager muss in den Apotheken bleiben und nicht in privaten Haushaltungen.