Contra: Nein zu dieser Kurzschlusshandlung

Wer eine S-Bahnlinie stilllegen will, die gerade erst nach modernstem Standard ausgebaut wurde, hat weder das Prinzip der Nachhaltigkeit begriffen, noch die Zeichen der Zeit erkannt. Der Preis sind mehr Strassen, mehr Lärm, mehr CO2-Ausstoss, mehr Stau und die verpasste Chance, auf nachhaltige Mobilität zu setzen. Die im 8. Generellen Leistungsauftrag für den öffentlichen Verkehr vorgesehene Stilllegung der S 9 liegt daher völlig quer in der Bahnlandschaft.

Erstens baut derzeit jede Agglomeration der Schweiz von Zürich bis Genf ihr S-Bahnsystem aus, setzt also auf den Umstieg von der Strasse auf die Schiene. Zweitens stellt der Bundesrat in seinem aktuellen Botschaftsentwurf zum Bahnausbauschritt 2030/35 klar, dass er bis 2035 11,5 Milliarden Franken in den Ausbau des Bahnverkehrs investieren will. Drittens ist die S 9 Teil unseres regionalen S-Bahn-Systems. Schon lange wird ihre Durchbindung nach Basel gefordert. Der Kanton selber verlangte dies noch bis vor kurzem im Angebotskonzept der Planungsregion Nordwestschweiz zu Handen des Bundes. Die Weiterführung der S 9 nach Solothurn ist ebenfalls angezeigt. Unser Nachbarkanton diskutiert sein öV-Programm und damit auch das Angebot Olten–Sissach erst im Sommer 2019. Vom Plan der Baselbieter Regierung, das Läufelfingerli lahmzulegen, hat Solothurn aus den Medien erfahren. Das, obwohl die Bahn die Gemeinde Trimbach mit 6000 Einwohnerinnen und Einwohner direkt ans Bahnnetz anschliesst.

Fazit: Die Baselbieter Regierung drängt uns, voreilig und einseitig eine bikantonale Bahnstrecke zu bodigen, obwohl kein Zeitdruck besteht und längst nicht alle Alternativen geprüft sind. Das ist keine nachhaltige Verkehrspolitik. Sinnvoll ist es vielmehr, vom Bund die nötigen Massnahmen für eine direkte S-Bahnverbindung Olten–Läufelfingen– Sissach–Liestal–Basel zu verlangen.

Die aktuelle Vernehmlassung zum Entwurf über den Bahnausbau Step 2030/2035 ist genau der Moment dafür. Denn die S 9 hat Potenzial in einem geschickt ausgelegten S-Bahnsystem zwischen Basel, Sissach und Olten und sogar Richtung Solothurn. Ein so organisierter Bahnbetrieb ist in Zukunft Gold wert für die ganze Region. Die Bahnlinie über Tecknau nach Olten ist schon heute aus- und zu oft überlastet. Gleichzeitig rechnen die SBB bis 2040 mit über 50 Prozent mehr Fahrgästen auf den Schienen. Als Ausweichroute für den Hauenstein-Basistunnel und für Gütertransporte halten die SBB die Läufelfingerli-Strecke denn auch vollumfänglich bei. Dies gilt es für unseren regionalen Personenverkehr ebenfalls zu nutzen.

Nur ein Nein zu den Ziffern 2.7 c) und d) des 8. Generellen Leistungsauftrags (GLA) und somit ein Nein zur Stilllegung der S 9 kann die Regierung und den Landrat zur Vernunft bringen. Damit sind wieder alle Optionen für ein verbessertes effizientes S-Bahnsystem für die ganze Region offen. Unsere Regierung muss in ihrer Stellungnahme zum Ausbauschritt 2030/35 auf der Durchbindung nach Basel bestehen, statt die vollausgebaute, zuverlässige S 9 in einer Kurzschlusshandlung zu beerdigen.

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Pro: Ja zu einem verbesserten öV-Angebot

Die FDP Baselland sagt Ja zum 8. Generellen Leistungsauftrag im öffentlichen Verkehr (GLA). Was manche vielleicht (noch) nicht wissen: Der 8. GLA ist keine «Läufelfingerli-Vorlage». Er enthält sämtliche Leistungsvorgaben für den öffentlichen Verkehr im Baselbiet in den Jahren 2018 bis 2021. Der 8. GLA bringt ein verbessertes öV-Angebot im ganzen Kanton. Wichtige, stark frequentierte öV-Linien im Unterbaselbiet werden weiter ausgebaut: Das Laufental erhält einen zweiten Schnellzug (Strecke Basel-Biel). Im Birstal wird die Tramlinie E 11 in die Stammstrecke der Linie 11 (Aesch Dorf–Bahnhof SBB–St. Louis Grenze) integriert. Allschwil erhält ein neues Angebotskonzept.

Diese öV-Verbesserungen sind zentral für unsere dicht besiedelten Agglomerationsgemeinden. Erweitert wird aber auch das öV-Angebot im Oberbaselbiet, etwa bei den Anschlüssen von peripheren Gemeinden am Abend und am Wochenende. Der Takt der Buslinien im Homburgertal wird vom heutigen Stunden- auf einen Halbstundenrhythmus verdichtet, auch in Läufelfingen. Die Gemeinden Buckten bis Sissach erhalten zu Hauptverkehrszeiten gar einen Viertelstundentakt. Die häufiger verkehrenden Busse verbessern die Anschlüsse an die Fernverkehrszüge in Sissach und Olten.

Der 8. GLA schafft bessere, stärker auf die Nutzerinnen und Nutzer abgestimmte öV-Verbindungen im unteren und oberen Kantonsteil. Dank eines effizienteren, zielgerichteten Mitteleinsatzes fallen die Gesamtkosten dennoch tiefer aus. Lassen Sie sich den 8. GLA nicht schlecht reden! Die FDP Baselland steht überzeugt hinter dem 8. GLA, über den wir am 26. November abstimmen werden.

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Contra: Ein Stich mitten ins Herz der Gemeinde

Die Streichung der S 9/Läufelfingerli wäre für unser Dorf ein grosser Verlust der guten Verbindungen in die übrige Schweiz. Und das «Frustbarometer» gegenüber der Baselbieter Regierung würde langsam bedrohlich hohe Werte anzeigen. Wir haben für Läufelfingen ein Entwicklungskonzept erarbeitet: unter anderem mit der Überbauung des ehemaligen Industrieareals Kohler mit 80 Wohneinheiten in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof, der Senkung des Satzes der Ertragssteuer für juristische Personen um über 40 Prozent, der Schaffung von familiengerechten Betreuungsstrukturen und vielem mehr. Damit wollen wir Läufelfingen auch in Zukunft attraktiv halten und für die ständig steigenden, neuen Herausforderungen positionieren.

Die Streichung der S 9 würde einen grossen Teil unserer Strategie über den Haufen werfen und unsere Bestrebungen mitten ins Herz treffen. Heute erreichen wir in rund einer halben Stunde mit der Bahn alle grösseren Ballungszentren in der Deutschschweiz. Dies ist ein gewichtiges Argument für Läufelfingen als Wohnort. Mit der Streichung der S 9 würde dieser wichtige Standortvorteil über Nacht wegfallen. Die Folge wären Wegzüge von gut verdienenden Pendlern und damit massive steuerliche Einbussen. Das kann weder im Sinne des Kantons Baselland sein, noch im Sinne der grossen Gemeinden im unteren Kantonsteil, da dadurch unsere Abhängigkeit vom Finanzausgleich erheblich zunehmen würde.

Es erstaunt schon, dass man ein Dorf mit gut 1300 Einwohnern, das grösste im Homburgertal mit vielen Dienstleistungsangeboten für die angrenzenden Gemeinden, einfach ignoriert und in seiner Entwicklung behindert.

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Pro: Umstellung auf Bus macht Sinn

Mit dem 8. Generellen Leistungsauftrag (GLA) für die Jahre 2018 bis 2021 wird das Angebot des öffentlichen Verkehrs (öV) für vier Jahre festgelegt. Der 8. GLA bringt einerseits Angebotsverbesserungen, und andererseits wird durch eine verbesserte Kosteneffizienz der vom Landrat beschlossene Sparauftrag umgesetzt. Die Umstellung des Läufelfingerli auf einen Busbetrieb ist genau in diesem Sinn und Geist.

Mit dem geplanten Busbetrieb wird ab 2020 zusätzlich zu den Buslinien 108 und 109 die neue Buslinie 110 eingeführt, die von Sissach über Läufelfingen nach Olten und retour geführt wird. Damit wird das öV-Angebot für die Mehrheit der Einwohnerinnen und Einwohner des Homburgertals de facto verbessert: So wird beispielsweise in Läufelfingen neu ein Halbstundentakt – bisher hat ein Stundentakt gegolten – und im unteren Homburgertal in den Stosszeiten sogar ein Viertelstundentakt angeboten. Das ist ein echter Fortschritt und wird zusätzliche Pendlerinnen und Pendler zum Umsteigen auf den öV bewegen.

Die künftige Buslinie 110 wird in Sissach und Olten optimale Anschlüsse auf den Fernverkehr bieten und eliminiert damit einen der bisherigen Nachteile der S 9. Die längere Fahrzeit von Läufelfingen nach Olten (der einzige Nachteil des Busbetriebs!) fällt damit weniger stark ins Gewicht. Der Busbetrieb ist jährlich 1,24 Millionen Franken günstiger als das Läufelfingerli, womit der öV im Baselbiet deutlich kosteneffizienter wird. Zudem wären bei einem Weiterbetrieb der S 9 auch die Bundesbeiträge an das Betriebsdefizit stark gefährdet.

Der Bund richtet keine Beiträge aus, wenn nicht mindestens ein Kostendeckungsgrad von 20 Prozent erreicht wird. Angesichts der schlechten Einsteigerzahlen der S 9 ist ein solches Szenario schon bald möglich. Damit müsste der Landkanton zusätzlich jährlich 730'000 Franken einschiessen.

Bei einem Nein droht tatsächlich öV-Abbau

Was passiert bei einer Ablehnung des 8. GLA am 26. November? Um den drohenden Wegfall der Bundessubventionen abzuwenden, müssten mehr Passagiere auf die S 9 gezwungen werden. Das wird nur mit der Abschaffung der parallel zur S 9 geführten Buslinie 108 möglich sein. Die Dörfer ohne Bahnhof würden dann mit dem Bus nur noch bis zur nächsten S 9-Station angebunden.

Das wird zwar einige Fahrgäste zusätzlich auf die S-Bahn 9 bringen, aber bedeutet für die Mehrheit im Homburgertal einen echten öV-Abbau. Um das Kostenwachstum des öffentlichen Verkehrs im Zaum zu haltenden, müsste die Baselbieter Regierung zudem beim übrigen öV rund 900'000 Franken einsparen. Das kann nur durch einen allgemeinen Kursabbau im ganzen Baselbiet erreicht werden. Und zwar nicht nur am Wochenende und in Randzeiten, sondern auch unter der Woche. Wer will denn das? Ich nicht, ich will einen guten und kosteneffizienten öV und sage deshalb am 26. November überzeugt Ja zum 8. GLA.