Glosse

Prost, Milchserum!

Martina Rutschmann
(Symbolbild)

«Alter! Wer braucht schon Kräuterlikör, wenn er Milchserum haben kann?»

(Symbolbild)

Wir haben es, tief in uns drin, immer gewusst! Die Baselbieter sind uns Städtern voraus – vor allem, wenn es um die Fasnacht geht. Liberal, wie die Landschäftler von Natur aus sind, sagen sie «Umzug» und «Konfetti», ohne mit einer Ausschaffung rechnen zu müssen. Damit nicht genug: Unter dem Motto «mir luege zunenand» kümmert sich Liestal um junge Säufer. Stolz teilt die Stadt mit, dass «verschiedene Gastronomen einen alkoholfreien Drink ins Angebot aufgenommen haben» und Plakate darauf hinweisen. Denn: Jugendliche seien besonders gefährdet.

Ist ja klar. Diese neue Gefahr versetzt jeden Jugendlichen, der sich bis vor kurzem ständig die Kante gab, in Schrecken. Als logische Folge bestellt er ein Rivella statt eines – wie heisst wohl der Fasnachtsfusel drüben? – Waggis. Wenn sich dann trotzdem ein echter Waggis erdreistet, den Rivella nuckelnden Jugendlichen mit Jägermeister zu belästigen, kontert dieser nüchtern: «Alter! Wer braucht schon Kräuterlikör, wenn er Milchserum haben kann?»
 
Doch nicht nur Liestal schlägt innovative Wege ein: Das Basler Fasnachts-Comité will trinkende und aggressive Jugendliche in der Grünpfahlgasse ebenfalls bändigen – und zwar mit Benimmregeln. Diese sollen über soziale Medien verbreitet werden. Bisher ist das nicht passiert. Das Comité setzt seine Knigge-Tweets wohl erst an der Fasnacht ab, wenn die Kids bereits volltrunken in der Gasse herumpöbeln. Das ist eine gute Idee. Aber nicht so gut wie die Plakate in Liestal – die Landschäftler sind uns Städtern eben voraus. Vor allem, wenn es um die Fasnacht geht. Diese beginnt in Liestal nämlich einen Tag früher.

Autorin

Martina Rutschmann

Martina Rutschmann

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