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Qualität im Zentrum

Barfüsserplatz Basel

Barfüsserplatz Basel

Über Anti-Werbung für Basels Innenstadt

Im laufenden Wahlkampf können sich manche nicht mehr halten vor lauter Gespött über die «tote Stadt Basel», wo «nichts los ist», deren Fussgängerzone «verwahrlost» sei und nachts «menschenleer vor sich hin vegetiert». Mal abgesehen davon, dass dieser Hohn durchsichtigen politischen Zwecken dient und dabei der Einkaufsstadt Schaden zufügt, könnte ja etwas dran sein an dieser Klage. Immerhin belegt das «Lädelisterben» auf dem Sorgenbarometer der bz den dritten Platz. Ob herbeigeredet oder Realität, das Problem ist in den Köpfen drin.

An der Nahversorgung in den Quartieren kann es nicht liegen. Diese ist heute fast überall ausgezeichnet, dank Grossverteilern und zahlreichen Familienbetrieben, die täglich von 6 bis 22 Uhr offen haben (dank einer rot-grünen Liberalisierung des Ladenschlussgesetzes!). Im florierenden Bahnhof erschliessen die SBB gerade neue Ladenflächen. Die Markthalle mit ihrem vielfältigen Angebot boomt. An scheinbar exotischen Lagen, etwa rund um die Feldbergstrasse oder im Gundeli, eröffnen Kreative im Wochentakt neue Geschäfte.

Erste Feststellung: Es findet eine Erweiterung der Einkaufszonen statt, über das traditionelle Zentrum hinaus. Die Sorge um das Lädelisterben betrifft also vor allem die Altstadt. Diese ist jedoch seit Jahrzehnten im Dauerumbruch. Läden kommen und gehen. Wer kann sich noch an den fünfstöckigen Baumarkt Blaser am Marktplatz erinnern? Längst hat eine UBS-Filiale den Standort übernommen. Wie gingen die Wogen in den 1970er-Jahren hoch, als das verschnörkelte Geschäftshaus Sodeck an der oberen Freien Strasse einem postmodernen Diener & Diener Neubau wich. Hier hält heute die Boutique Trois Pommes Designer-Stücke feil.

Zweite Feststellung: Der Wandel des Handels in der Innenstadt ist nichts Neues. Doch scheint sich dieser Wandel zu beschleunigen. In kurzer Zeit sind Traditionsläden wie Füglistaller, Kost, Kohler oder Spezialisten wie die Ganterie Friedlin verschwunden. Die Einen, weil kein Nachfolger da war, die Andern, weil die Vermietung am teuren Standort mehr Geld mit weniger Mühsal bringt und die Nächsten, weil sie die ständigen Mietpreis-Erhöhungen nicht mehr mitmachen konnten.

Dritte Feststellung: Die Gründe für den Umbruch im Zentrum sind vielfältig. Eine Schlüsselrolle spielen aber gewiss die Mietpreise. Hohe Mieten sind allerdings kein Zeichen des Niedergangs, sondern bedeuten, dass die Geschäfte laufen. Trotz Spekulation und einzelnen Härtefällen: Im Durchschnitt ist die Innenstadt Basels eine Erfolgsgeschichte. Die Miesmacher scheinen kein Gehör zu finden. Konsumenten kommen in Scharen und geben hier ihr gutes Geld aus. Durchsetzen wird sich am Ende die Qualität im Zentrum. Diese besteht nicht nur aus hochwertiger Ware, sondern bietet mit bester, persönlicher Beratung eine Alternative zum Online-Einkauf. Qualitätsläden brillieren mit prompter Heimlieferung, schlauen Reparatur- und Garantieservices und nicht zuletzt – Freundlichkeit.

Letzte Feststellung: Eine florierende Innenstadt ist ein komplexes Gebilde, das sich wie jeder Markt selbst reguliert. Doch ist die Rolle der öffentlichen Hand nicht zu unterschätzen. Sie sollte zum Beispiel die städtebauliche Gestaltung und den Ladenmix im Auge behalten. Und darum müsste sich die Debatte drehen.

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