Laut Urteil des Strafgerichts Basel ist es zulässig, die Hautfarbe als wichtiges Kriterium einer Polizeikontrolle zu nutzen. Dieser Richterspruch ist blanker Rassismus. Denn eine Kontrolle aufgrund der Hautfarbe ist gemäss Verfassung verboten. Punkt. Verboten ist die Kontrolle auch dann, wenn die Hautfarbe nur ein Grund aus einem ganzen Motivbündel ist. Das hat weder die Polizei noch den Richter interessiert, und sie stossen auf Verständnis.

So schreibt Leif Simonsen in seinem Kommentar in der gestrigen bz: «Polizeiliches Profiling ist richtig». Was er damit meint: Die Hautfarbe darf nicht nur, sondern sie muss ein Kriterium sein, «denn die Polizei würde ihren Job schlicht nicht machen, wenn sie kein ‹Profiling machte.» Das nenne ich Verbreitung von Rassismus. Und es ist falsch.

Richtig ist, dass kriminalistisches Profiling eine akzeptierte und effektive polizeiliche Methode ist. Sucht die Polizei einen Mörder, kann sie die Informationen zusammentragen, um ein Profil zu erstellen, das sich auf psychologische Eigenschaften und Verhaltensmerkmale stützt.

Demgegenüber ist rassistisches Profiling rechtswidrig und ineffizient. Wenn bei der Bekämpfung der illegalen Einwanderung, des Drogenhandels oder des Terrorismus die Polizei sich auf die Hautfarbe stützt, ohne dabei einen objektiven individuellen Verdacht zu haben: Dann ist das nicht nur verschwendetes Steuergeld, sondern eine rassistische Stigmatisierung.

Hand aufs Herz: Wie viele weisse Männer im Alter zwischen 20 und 35 aus der oberen Mittel- und der Oberschicht kennen Sie, die schon mal wegen Konsums von illegalen Drogen polizeilich kontrolliert wurden? Der geht nämlich statistisch gesehen auf ihre Kappe. Schwarze Menschen jedoch kennen diese Erfahrung auch ohne Drogenkonsum, zum Beispiel auf dem Arbeitsweg oder nach Hause mit der Einkaufstüte in der Hand. Solange die Mehrheitsgesellschaft den polizeilichen Zugriff auf den schwarzen Körper als normal wahrnimmt, braucht es Menschen wie Marc O., die bei rassistischen Polizeikontrollen hinsehen.