Basel kennt jetzt ein Recht auf Wohnen. Was das heisst? Das weiss selbst nach dem deutlichen Ja keiner so genau. Ausser dass jede und jeder, der hier wohnt und angemeldet ist, per Verfassung eine Wohnung bekommen muss, die sie oder er sich leisten kann. Das ist ein starkes Stück. Und es wird die schwierigste Prüfung für Basels Grüne Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann, deren Departement für die Wohnraumpolitik in diesem ohnehin schon dicht bebauten, eng begrenzten Kanton zuständig ist. Dessen Bevölkerungszahl zudem weiterhin wächst statt sinkt.

Und jetzt sind alle vier Mieterinitiativen angenommen worden. Unbesehen, ob sie nun über das Ziel hinausschiessen oder nicht. Die Mieterstadt hat deutlich gesprochen: Die Angst vor Verdrängung und stark verteuerten Wohnungen verpasst der bisherigen Basler Wohnpolitik einen neuen Kurs. Neu soll der Markt stärker reguliert werden, der Staat die Kontrolle übernehmen. Besonders Massenkündigungen mit Rendite-Sanierungen sollen dadurch bekämpft werden.

Gegner der Vorlage sprechen von einem gewaltigen sozialistischen Experiment, das die Problematik des Wohnraums verschärfen würde: Höhere statt tiefere Mieten, mehr Gerichtsverfahren, weniger neue Wohnungen, weil bei alten Liegenschaften ja der Wohnraumschutz greifen soll. Und während die Initianten bereits die strikte Umsetzung verlangen, schweigt Ackermann. Die Entwickler dieser Stadt stehen seit gestern vor der Herausforderung des Jahrzehnts – mindestens. Doch ein konkreter Plan ist nicht in Sicht.