Die Schweizer Bevölkerung wird älter und wächst zu wenig nach. Kein Wunder. Man wird auch nicht gerade dazu motiviert, das Wachstum voranzutreiben und Kinder in die Welt zu setzen. Vor den Sommerferien versenkte der Bundesrat den Vaterschaftsurlaub. Im einst reichsten Land der Welt gibt man sich knausrig, wenn es um die Familie geht. Hätte ich drei Kühe gekauft statt drei Kinder gezeugt, würde mir der Staat wohlwollender begegnen. So kommt es mir jedenfalls vor.

Dass wir hierzulande am falschen Ort sparen, fällt mir auf, wenn ich mit Freunden rede, die in Skandinavien gelebt haben. Im «World Happiness Report» 2018 schwingen die Finnen, Norweger und Dänen obenaus. Kein Wunder: Dort wird nicht nur wirtschaftlich investiert, sondern auch in die Familie. Wie im Süden pflegt man ein unverkrampfteres Verhältnis zu den Umständen, die Kinder mit sich bringen. Und im Norden ist man uns zudem in der Familienpolitik meilenweit voraus, kann wählen, wie man Elternschaftsurlaube aufteilt, ja, mitunter sind Kindertagesstätten gar gratis. Weil Kinder und ihre Betreuung dem Land etwas wert sind.

Bei uns verdient ein Elternteil meist weniger, als was die Kita kostet. Mann oder Frau arbeitet also, um sich die Freiheit herausnehmen zu können zu arbeiten. Irgendwie grotesk, oder nicht? Das Kita-Modell ist essentiell für viele moderne Familien, in denen beide einer Beschäftigung nachgehen wollen oder müssen, auch wenn sie das nur in Teilzeit tun. Man ist ja flexibel. Die Kitas sind das aber nicht immer. Unsere machte gerade drei Wochen Sommerpause. Drei Wochen ohne Kinderbetreuung. Das zwingt berufstätige Eltern, exakt dann den Grossteil ihrer Ferien einzuziehen. Sie sehen: Es gibt noch viel zu tun.