Sprechstunde

Richtiger Antibiotika-Einsatz

Werden Antibiotika eingesetzt, können resistente Bakterien entstehen. (Symbolbild)

Werden Antibiotika eingesetzt, können resistente Bakterien entstehen. (Symbolbild)

Die «Sprechstunde» wird vom Kantonsspital Baselland und dem Universitätsspital Basel im Turnus bestritten. Sie erscheint alle zwei Wochen. E-Mail: sprechstunde@bzbasel.ch

«Stimmt es, dass Antibiotika bei Erkältungen schnell und wirksam helfen?»

Das tun sie nur in den allerwenigsten Fällen. In über 90 Prozent der Fälle sind Viren schuld an der Erkältung. Gegen Viren sind Antibiotika aber unwirksam – sie helfen nur bei Bakterien. Aber selbst wenn die Erkältung auf Bakterien zurückzuführen ist: Sie wird meist von alleine weggehen, ohne dass Antibiotika helfen würden.

«Ich habe Antibiotika verschrieben bekommen. Muss ich diese nehmen, bis die Packung fertig ist?»

Nein, müssen Sie nicht. Der Arzt oder die Ärztin sollen das entscheiden. Die Devise lautet heute: Das Antibiotikum lieber nur «kurz und heftig», also in einer guten Dosis nehmen. Denn jedes Antibiotikum erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass unsere körpereigenen Bakterien darauf resistent werden. Im Körper tummeln sich Abermillionen verschiedener Bakterien. Je länger das Antibiotikum eingenommen wird, desto eher wird es einzelnen davon gelingen, dem Antibiotikum zu trotzen.

«Stimmt es, dass Antibiotikaresistenzen zunehmen?»

Resistente Bakterien nehmen bei uns tatsächlich zu. Häufige Infektionen wie Blasen- und Nierenentzündungen können bereits in 1/5 der Fälle nicht mehr mit den üblichen Antibiotika behandelt werden. Dies vor allem wegen dem unnötigem Einsatz bei Erkältung, Grippe, Bronchitis, Halsweh und so weiter. Auch in der Tierzucht werden unnötig oft Antibiotika eingesetzt, hier wurden in den letzten Jahren aber einige Fortschritte erzielt. Jeder Antibiotika-Einsatz muss sehr gut überlegt werden!

«Wann braucht es Antibiotika?»

Dies ist ein ganz entscheidender Punkt: zum Beispiel bei schwer krank wirkenden Patienten oder wenn das Immunsystem geschwächt ist, wie bei einer Kortison- oder Chemotherapie. Heikel sind auch Situationen, wo die Beschwerden nach fünf bis sieben Tagen nicht bessern, sondern zunehmen, oder das Fieber nicht weggeht. Dann soll der Hausarzt die Patientin nochmals untersuchen und allenfalls Blut abnehmen, röntgen oder ein Antibiotikum verschreiben.

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