Vor einigen Wochen war ich mit meinen beiden Kindern in einem Quartiertreffpunkt. Es wurde gespielt und gestritten und am Schluss der Veranstaltung auch gesungen.

Besonders meine jüngere Tochter war begeistert – «mehr» und «nochmals» ihre Reaktion auf das nahende Ende des gemeinschaftlichen Singens. Als die Betreuerin sie dann fragte, welches Lied sie gerne noch singen würde, sagte das zweijährige Mädchen, dass «Lingel Linge Leihe» ihr Lieblingslied sei. Ich war stolz auf sie, wenn es auch wenig braucht, damit ein Vater stolz ist auf seine Tochter, ja vielleicht sogar entzückt und konnte deshalb den kritischen Blick der Betreuerin nicht richtig deuten. Hat sie etwas falsch verstanden? «Ah, Ringel Ringel Reihe, wobei das sollte man heute ja nicht mehr singen, wegen der Rollenbilder», sagte sie dann.

Ich brauchte einen Moment, bis es mir wie Schuppen von den Augen fiel, dass im Lied die Mädchen in die Blumen, die Buben hingegen wagemutig in die Haselnuss gehen! Gender! Hilfe!

Aber, alles kein Problem. Schliesslich gibt es gendergerechten Ersatz, klärte die Betreuerin sofort auf. Und sang vor:

Ringel, Ringel, Rose,
schöni Aprikose,
Veieli und Vergissmeinnicht,
alli Chinder dreied sich.

Meiner Tochter gefiel auch das, mehr aber noch, dass die zweite Strophe offenbar den hohen Genderansprüchen in Basler Quartiertreffpunkten entspricht, weil dort alle Kinder um den Holderstock tanzen und Bodenhock machen. Und weil sie diese Strophe schon kannte.