Persönlich

Ruhe-Asyl am Nationalfeiertag

Andreas Hirsbrunner
(Symbolbild)

Auch die «Mitlandeier» zündeten am 1. August keine Feuerwerkskörper, sondern hielten sich an das Verbot.

(Symbolbild)

Ich bin ein Landei. Als solches habe ich mich diesen Sommer über meine Mitlandeier gefreut, denen ich hier noch ein leicht verspätetes Kränzchen winden will. Oder vielmehr zwei. Denn meine dörflichen Mitbewohner haben in diesem Ausnahmesommer zweimal Grösse gezeigt. Das erste Mal beim Rasenwässern. Meine Dorfoberen gehörten zu den ersten weit und breit, die zum Wassersparen aufriefen und das Sprenkeln des Rasens verboten. Ich weiss, wie viel etlichen meiner Mitlandeier ihr golfplatzgrüner Rasen bedeutet. Doch alle, soweit ich gesehen habe, hielten ihrem Bewässerungstrieb stand und schauten solidarisch mit an, wie ihr einstiger Stolz immer mehr vergilbte. Bravo!

Das zweite Mal widerstanden meine Mitlandeier – abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen – einem andern starken Trieb: Sie zündeten am 1. August keine Feuerwerkskörper, sondern hielten sich an das entsprechende Verbot. Bravissimo! So legten sie nicht nur keine Brände, sondern verhalfen den in Sachen Raketen trieblosen Mitbewohnern auch zu einem genussvollen 1. August. Und niemand musste mit seinen Vierbeinern in den Schwarzwald oder ins Elsass flüchten. Das Erstaunlichste folgte danach: Es waren im Dorf nur positive Stimmen über die ungewohnte Ruhe zu hören.

Das ist doch eine Steilvorlage an meine Dorfoberen: Nutzt diese Alleinstellungschance und ruft unser Dorf zum ersten raketenfreien Ort in der Schweiz aus. Vielleicht am 1. August jeweils begleitet von einem Dorffest für Patrioten, die es auch ohne Kracher sind. Die rührigen Macher von Baselland Tourismus würden sicher helfen dabei. Das Ganze so etwa nach dem Motto: «Reigoldswil – das einzigartige Ruhe-Asyl am Nationalfeiertag».

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Andreas Hirsbrunner

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