Zwar haben es die Gene haartechnisch alles andere als gut mit mir gemeint. Aber auch ich muss hin und wieder einen Coiffeursalon von innen sehen.

Am liebsten lasse ich mir die wenigen Haare von den kurdischen Spezialisten um die Ecke schneiden. Während andernorts ohne Anmeldung nichts geht, wird man hier immer bedient. Es dauert jedoch meist eine Weile, bis man dran ist. Denn das Lokal an der Basler Güterstrasse ist sehr beliebt.

Die Wartezeit nehme ich gerne in Kauf, ich nutze sie sogar für eine kleine Sozialstudie. Voller Absicht besuche ich den Salon nämlich, wann immer möglich, an einem Samstagnachmittag. Dann herrscht Hochbetrieb und ich kriege einen Einblick in die unterschiedlichsten Schichten der Gesellschaft. Auf den Stühlen sitzt der albanische Teenager genauso wie der portugiesische Bauarbeiter und der Senior aus der Schweiz.

Ich komme mit Menschen in Kontakt, mit denen ich sonst kaum zu tun habe. Sei es bloss durch einen kurzen Schwatz während des Wartens. Von den Figaros meines Vertrauens werden sie alle gleich behandelt. Die Coiffeure achten darauf, dass keiner länger als die anderen warten muss. Es erfüllt mich stets mit einer gewissen Genugtuung, wenn sie in die Runde schauen, mit dem Finger auf mich zeigen und ich dann an der Reihe bin.

Ach übrigens: Hervorragende Arbeit leisten die Coiffeure natürlich auch. Und man muss sich noch nicht einmal mit ihnen über das Wetter unterhalten.