Persönlich

Schneisenfresser und Schnutentunker

Diese Brötchen würde unser Autor zumindest in Augenschein nehmen. (Symbolbild)

Diese Brötchen würde unser Autor zumindest in Augenschein nehmen. (Symbolbild)

Wer, wie ich, berufsbedingt von Sommerfest über General- und sonstige Versammlungen bis zu Apéros riches eilt und dort oft etwas verloren herumsteht, hat Zeit, das Fressverhalten der Menschen zu studieren. Zur Tierwelt gibt es viele Analogien: Es gibt die Raubtiere der Kategorie Schneisenfresser, die ihre hoch aufgeschichtete Beute mit einem gezielten Biss vernichten, um sie sogleich runterzuschlingen.

Es gibt die Leitkühe, die dafür sorgen, dass ihre Herde Platz am Futtertrog findet. Es gibt die Hamsterer, die Schnittchen und Häppchen in Hand- und Jackentaschen zwischenlagern. Es gibt die Vögelchen des Typs Schnutentunker, die etwas hiervon und etwas davon picken, sofern vegan und ökologisch redlich. Und es gibt die Aasfresser, die das verwüstete Büffet während der obligaten Ansprache in aller Ruhe endgültig leerräumen.

Solche Beobachtungen brauchen natürlich Zeit und Geduld, wofür wiederum ein voller Magen unabdingbar ist. Deshalb bin ich regelmässig der Erste, der das warme und kalte Speisenangebot aus strategisch günstiger Position in Augenschein nimmt. In einem unbeobachteten Moment schiebe ich mir dann das eine oder andere Tatarbrötchen schon mal rein, egal, ob der Gastgeber das grosse Fressen bereits für eröffnet erklärt hat.

Ich weiss ja, was ich tue, tue ich aus wissenschaftlichem Interesse und keineswegs, weil ich ein Problem mit der Selbstbeherrschung hätte. Meine Forschungsarbeit ist aber noch lange nicht abgeschlossen. Es bedarf weiterer Feldstudien. Ich muss mich beeilen, sonst verpasse ich die Lachsröllchen.

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