Sprechstunde

Schuss im Kopf, Loch im Herzen?

(Symbolbild)

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Die «Sprechstunde» wird vom Kantonsspital Baselland und dem Universitätsspital Basel bestritten. Sie erscheint alle zwei Wochen. sprechstunde@bzbasel.ch

«Ich hatte einen Schlaganfall, von dem ich mich ganz gut erholt habe. Welche Abklärungen zur Ursachensuche sind sinnvoll?»

Ein Schlaganfall ist in der Regel die Folge eines Unterbruchs der Durchblutung in einem begrenzten Bereich des Gehirns. Dies wird entweder durch örtliche Gefässveränderungen hervorgerufen, oder aber ist die Folge eines eingeschwemmten Gerinnsels, das in den feinen Hirnarterien stecken bleibt. Im Fall einer solchen Embolie muss die Quelle gesucht werden. Sehr häufig entstehen die Gerinnsel bei Patienten mit Vorhofflimmern im Vorhofsohr des Herzen, infolge von Ablagerungen in den Halsgefässen oder einer stark verkalkten Herzklappe. Selten kann sich eine Venenthrombose im Bein lösen und bei gleichzeitigem Vorliegen eines offenen Kanals zwischen den beiden Vorkammern in die linksseitigen Herzabschnitte und von dort ins Gehirn gelangen, was schliesslich den Schlaganfall auslöst.

«Woher kommt dieser Verbindungskanal im Herzen?»

Während der Entwicklung des Ungeborenen in der Fruchtblase wird das Blut nach der Anreicherung mit Sauerstoff an der noch nicht entfalteten Lunge vorbeigeschleust. Dies geschieht über das «foramen ovale», einem kleinen Kanal zwischen den beiden Vorkammern und über eine weitere Verbindung zwischen den beiden Hauptschlagadern. Nach der Geburt gelangt das Blut durch die rechte Herzkammer in die Lunge, und die embryonalen Kanäle verschliessen sich in der Regel in den ersten Monaten des Lebens. Bei etwa jedem vierten Menschen bleibt der Kanal in der Vorhofscheidewand offen und wird dann «persistierendes foramen ovale» (PFO) genannt.

«Wann sollte ein PFO verschlossen werden?»

Nach einem Schlaganfall ohne erkennbare andere Ursache und gleichzeitigem Vorliegen eines PFO ist der Verschluss bei Patienten vor dem 60. Lebensjahr empfohlen. Die weitaus häufigeren anderen Ursachen müssen aber zuvor genau gesucht und ausgeschlossen werden. Falls das PFO der einzige wahrscheinliche Mechanismus des Schlaganfalls bleibt, ist der Verschluss gegenüber einer medikamentösen Therapie mit Aspirin klar überlegen.

«Welche Methoden gibt es, ein PFO zu verschliessen?»

Bisher wurde das PFO mit einem Schirmchen aus Metall verschlossen. Die Wirksamkeit zur Verhinderung eines erneuten Schlaganfalls konnte vor kurzem in drei grossen Studien gezeigt werden. Die Schirmchen selbst sind aber nicht unproblematisch. Eine neuere Technik, bei der mittels eines kleinen Fadens der Kanal über einen Katheter aus der Leiste zugenäht wird, bietet den Vorteil, dass kein grosser Fremdkörper zurückbleibt.

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