Vandalen

Sieben Minuten Alltag ziehen vorbei

Wahlplakate der SVP Baselland wurden in Pratteln beschädigt. (Symbolbild)

Am schmucken Neubau der Fachhochschule ist bereits der Betonsockel versprayt worden. Davor erstreckt sich ein wüstes Band an Plastikabfällen. Die vor sich hinrostende kleine Diesellok am Abstellgleis der grossen Speiseöl-Mühle hatte ich früher als Märklin-Lok. Wird sie hier überhaupt noch eingesetzt? Sie steht schon seit Jahren am gleichen Fleck.

Die Wahlplakate des SVP-Regierungskandidaten liegen noch immer am Boden, die hat der grosse Sturm umgeweht. Mal schauen, wie lange es geht, bis sein Wahlkampfteam es merkt. Ob da unter der Plane auf dem Flachwagen Militärfahrzeuge verborgen sind? Sieht fast so aus. Da war doch mal was mit dem Bahntransport von Nato-Fahrzeugen quer durch die Schweiz? Und schon wieder so ein Dutzende Meter langer Dreckstreifen mit Abfällen entlang des Gitters. Wer schmeisst denn all dieses Zeugs weg? Oder ist es der Wind, der es hierherweht? Sieht schon eindrücklich aus, wie bei der Tunnelsanierung das Tunneldach einfach rausgeschnitten wurde.

Die Autofahrer auf der Autobahn brauchen mal wieder viel Geduld, jetzt staut sich der Verkehr an der Ausfahrt schon am frühen Nachmittag. Geile Typen, die schon seit Jahren eine Kanada-, eine Nepal- und eine Italien-Fahne an ihren Balkongittern aufgehängt haben. Wie es sich da wohl wohnt, so wenige Meter über dem Hauptbahnhof, hinter der arg angegrauten Fassade? Spannend, zwei Grenzwächter warten an der Haltestelle unter der Passerelle auf die Ankunft des Fernbusses.

Die Fahrt zum Büro mit der S-Bahn hat nur sieben Minuten gedauert. Ich bin garantiert der Einzige, der über all diese Beobachtungen, alltägliche Banalitäten gewiss, nachdenken konnte. Alle anderen im Abteil haben ununterbrochen auf ihr Smartphone gestarrt.

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