Persönlich

So viel Schweiz steckt in mir

Die Schweizer Fahne.

Die Schweizer Fahne.

Über die ganz praktischen Probleme der täglichen Existenz als aufrechter Schweizer Bürger.

Hiermit gebe ich zum allerersten Mal öffentlich zu: Ich habe mal auf die Schweizer Fahne uriniert. Das war im Oktober 1990, während dem nächtlichen Wachdienst in einer der letzten Wochen meiner Rekrutenschule. Man kann das als einen Anfall von spätpubertärem Rebellentum gegen mein Vaterland sehen.

Inzwischen bin ich vielleicht etwas vernünftiger geworden - aber nicht unbedingt schweizerischer. Auch nach 226 Diensttagen kann ich nämlich immer noch nicht jassen (dabei hatte unsere Sanitätskompanie oft genug nichts zu tun). Auch hab ich noch nie die Schweizer Nationalhymne gesungen, dafür mal die amerikanische, als Austausch-Ferienlagerleiter.

Mein Primarlehrer war ein strammer Innerschweizer. Aber die Geschichte des stolzen Wilhelm Tells hat er uns nie beigebracht, ich kenne sie immer noch nicht. Sempach rast bei meinen Reisen in den Süden am Zugfenster vorbei, zu Dornach kommt mir ein von einem österreichischen Esoteriker inspiriertes Haus in den Sinn, St. Jakob an der Birs ist für mich ein Fussballfeld – keine Ahnung, warum an all diesen Orten Leichen aus dem Mittelalter unter dem Boden liegen. Das Matterhorn hab ich nur mal auf Google Earth betrachtet, nicht mal als Postkarte will es mir jemand schicken.

Das Monopoly-Spiel bei uns im Schrank hat meine Freundin geerbt, die teuerste Adresse darauf ist der Schlossplatz in Saarbrücken. Und ja, auch das muss ich zugeben: Neulich war ich im Rheincenter einkaufen – der Schweizer Franken siegte gegen die Schweizer Bauern. Der Höhepunkt meines unpatriotischen Gebahrens war aber während des Achtelfinals gegen Polen: In Trainerhosen und Adiletten holte ich bei meinem Türken um die Ecke Bier. Ich kaufte Efes, es schmeckt mir einfach besser als das einheimische Gebräu.

Eigentlich ist der Fall klar: Man muss mir sofort den Schweizer Pass wegnehmen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1