Journalismus macht misstrauisch. Wir haben zu häufig mit Menschen zu tun, die übers Ohr gehauen wurden. Da war etwa diese Angestellte eines Ladens, der nie eröffnet wurde. Sie sah nie auch nur einen Rappen Lohn. Als die Betrogene ihren «Chef» betreiben wollte, stellte sich heraus: Er tat das nicht zum ersten Mal. Die eingeschriebenen Briefe kamen alle retour. Adressat nicht auffindbar.

Ich fand es also eine gute Idee, bei meiner Ausgleichskasse einen Auszug aus dem so genannten «individuellen Konto» zu verlangen. Es listet die AHV-Einzahlungen aller bisherigen Arbeitgeber auf – wenn sie denn auch wirklich eingezahlt haben, das kann man ja nie wissen. Fehlen Beiträge, droht die AHV-Rente empfindlich zu schrumpfen. Das hiesse dann im Alter: Nix mit Sushi. Stattdessen fünfmal die Woche Migros- Restaurant, Coupe-AHV: Suppe mit Brot.

Nach einem Monat war er da, mein individueller Auszug. 34 Einträge von 12 verschiedenen Arbeitgebern. Ich musste feststellen: Ich bin ein Faktotum. Ich habe als Student so allerhand gemacht: in einem Thai-Take-away gekocht (komischerweise gab es keine Toten), über fünftklassige Fussballspiele berichtet, CDs verkauft, am Gotthard-Nordportal Lastwagen gezählt (damit der Bundesrat Zahlen hat), Heizungs-Messgeräte abgelesen (man kann den Zustand einer Wohnung meist schon am Zustand des Klingelschilds vorhersagen), den Empfang eines Altersheims geschmissen (einmal musste ich ein Todes-Austrittsformular ausfüllen, bevor das Eintrittsformular fertig war) und an der Kasse eines Sexkinos Billette verkauft.

Das Wichtigste: Die ehemaligen Arbeitgeber haben alle brav meine AHV-Beiträge einbezahlt. Es kann kommen, das Alter!