Der Internationale Tag der Pflege wird von Pflegefachpersonen weltweit am 12. Mai gefeiert, dem Geburtstag von Florence Nightingale, die als Begründerin der professionellen Krankenpflege gilt. Aus diesem Anlass drängt sich ein Blick auf die Leistungen, aber auch auf die Herausforderungen des Pflegepersonals auf, welches in den rund 32 Pflegeheimen im Kanton Baselland arbeitet.

Die Pflegemitarbeitenden betreuten 2016 insgesamt 4626 Menschen (Langzeit- und Kurzzeitaufenthalte) und leisteten laut Somed-Statistik 1 Million und 80 237 Pflegetage. Der Eintritt in ein Pflegeheim wird von den betroffenen Menschen als eines der herausforderndsten Lebensereignisse beschrieben. Die Pflegefachpersonen begleiten diese Prozesse mit Fachkompetenz und Einfühlungsvermögen. Die Bewohnerinnen und Bewohner treten dank der Spitex erst im hohen Alter in ein Pflegeheim ein. 2016 betrug das Durchschnittsalter aller Bewohner 85,4 Jahre.

Die Bewohnerinnen und Bewohner leiden in der Regel an mehreren Krankheiten. Häufig bleibt den Betroffenen und ihren Angehörigen für die Vorbereitung des Heimeintritts wenig Zeit, insbesondere wenn der Eintritt direkt via Spital erfolgt. Immer häufiger erfolgen Eintritte in den letzten Lebenswochen, in denen palliative Pflege und Betreuung im Vordergrund stehen. Die Pflegemitarbeitenden betreuen aber auch zunehmend kranke betagte Menschen für einige wenige Wochen nach Spitalaufenthalten. Dieser Trend der Kurzaufenthalte in Heimen hat deutlich zugenommen, denn die Aufenthaltstage nach Operationen oder medizinischen Eingriffen in Akutspitälern wurden aus Kostengründen in den letzten Jahren deutlich verkürzt.

Die Mitarbeitenden der Pflegeheime leisten somit volkswirtschaftlich einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung der hohen Kosten in den Akutspitälern. Die Pflegeheime sind zudem ein Auffangbecken geworden zwischen Spital und Zuhause, wenn die Krankenkassen nicht bereit sind, eine Kostengutsprache in einer Rehabilitationsklinik zu leisten. Im Rahmen der demografischen Entwicklung steigt die Anzahl der Menschen, die an einer Demenz erkranken.

Alle diese Herausforderungen machen die Pflegearbeit vielfältig und interessant. Das Pflegefachpersonal schätzt im Gegensatz zur Akutpflege im Spital, dass es mit den Bewohnerinnen und Bewohnern durch den Langzeitaufenthalt eine professionelle Beziehung aufbauen kann, welche eine individuelle Pflege zulässt. Man kennt die «Mödeli» der Bewohnerinnen und Bewohner, lernt die Angehörigen kennen und hat Kenntnis über das frühere Lebensumfeld der Bewohnerinnen und Bewohner.

Aber es ist ungewiss, ob auch in Zukunft noch genügend qualifiziertes Pflegefachpersonal in den Pflegeheimen zur Verfügung steht. Was ist zu tun? Der Arbeitsplatz muss attraktiv bleiben und so gestaltet sein, dass das Pflegefachpersonal seine Aufgaben bewältigen kann und die Pflegequalität nicht unter Sparmassnahmen einbricht. Zuständig sind in erster Linie die politischen Entscheidungsträger, im Baselland die Gemeinden und der Kanton.

Sie müssen anerkennen und bei Tarifentscheidungen berücksichtigen, dass es für die anspruchsvolle Arbeit Ressourcen braucht für die Anstellung von qualifiziertem Pflegepersonal mit Diplom und Fachpersonal Gesundheit mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis. Schon jetzt arbeiten in den Heimen rund 50 Prozent Assistenzpersonal. Das ist die oberste Grenze, wenn die Sicherheit gewährleistet und unnötige Spitalaufenthalte vermieden werden sollen.

Der Regierungsrat hat für das Jahr 2018 den Normkostensatz für eine Stunde Pflege auf 68.25 Franken belassen. Da die Krankenkassen das Pflegematerial in den Heimen nicht mehr übernehmen müssen, läuft im Moment eine Vernehmlassung zu einer rückwirkenden Erhöhung per 1. Januar 2018 um 1.15 Franken. Damit suggeriert der Regierungsrat, dass dies ausreichen würde, um die grossen Ausgaben für sämtliches Pflegematerial abzudecken.

Pflanzen pflegen, Menschen pflegen; der Stundenansatz für meinen Gärtner war auf der letzten Rechnung mit 83.10 veranschlagt. Professionelle Pflege hat auch seinen Preis, und der aktuell gültige Pflegenormsatz im Kanton Baselland ist nicht kostendeckend. Darum wünschen sich zum Tag der Pflege die Pflegedienstleiterinnen und Pflegedienstleiter der Baselbieter Alters- und Pflegeheime in Übereinstimmung mit dem Heimverband Curaviva eine kostendeckende Pflegefinanzierung durch Krankenversicherer und Kanton.