Wer eine Woche lang auf einem Kanal in England unterwegs ist, abseits aller Zivilisation – das heisst vor allem ohne Internet – und wieder zurückkehrt, ist überrascht, beinahe erschreckt, wie sehr sich die Welt verändert hat. Nichts ist mehr wie vorher. Beim Surfen und Lesen alter Zeitungen schüttelt der Kopf von alleine ungläubig hin und her.

Im Ausland haben der amerikanische Voldemort und der Noch-UK-Boris dermassen schreckliche rassistische und frauenfeindliche Dinge gesagt, die werden ihnen sicher das Genick brechen. Diesmal aber wirklich. Darin sind sich alle einig, ausser ihre jeweilige Wählerschaft, die auch Exkremente feiern würden, wenn sie einen MAGA-Hut oder einen Brexit-Button tragen.

In der Wirtschaft ging es ungewöhnlich hoch zu und her. Einerseits ging die Börse rauf, dann wieder runter und jetzt gerade anscheinend wieder rauf. Zum Glück gibt es Experten, die mir erklären, wieso immer meine Milliarden-Investitionen schrumpfen (liebe Steuerbeamte: das ist Ironie), während alle anderen gewinnen.

Da ist man als Leser froh, endlich in den Lokalteil zu wechseln. Der Kaiman hat medial überraschend lange durchgehalten, das Rätsel ist gelöst - aber die Polizei warnt: Von wegen gelöst. Wird der Hallwilersee wie das Loch Ness zu einer neuen mythischen Touristenattraktion? Ich bin mal an einem sehr regnerischen Tag rund um den Hallwilersee gewandert und sage nur: Hier kann ein Kaiman helfen. Es braucht einen guten Spitznamen wie Nessie (Kimi? Manni? Stimmen Sie ab!), und die Post geht ab im Loch Hallwil.

Wir verlassen aber diese schützenswerte Idylle und werfen uns in die Grossstadt am Rheinknie. Hier geschah Skandalöses zuhauf. Da hat doch tatsächlich Tanja ihre Plakate zu früh aufgehängt. Das hat aber keiner mitgekriegt, weil ausser dem einen Journalisten alle in den Ferien waren. Immerhin sind sie jetzt wieder abgehängt, auch wenn auf einem Privatgrundstück noch eines entdeckt wurde. Wenn ich bei mir um die Ecke gehe, dann hängt da übergross ein forsch-rechtsbürgerlicher Kandidat und grinst breit wie ein Kaiman am Sünneli. Anscheinend wohnen in meinem Quartier keine Journalisten, die sich trauen daraus eine Enthüllungs-Story zu machen. Dabei sähe man das Plakat auch von blossem Auge, wenn man im BVB-Tram sitzt. Aber es fahren ja keine Drämmli mehr, weil unsere bösartige Regierung überall die Strassen aufreisst, nur um uns das Leben schwer zu machen.

Wer sich darüber krank ärgert, sollte sich beeilen ins Bruderholz-Spital zu gehen, bald muss er sich dort sonst selbst operieren. Aber es gibt auch bessere Nachrichten aus der Landschaft: Eine illegal hängende Fahne wurde bereits nach wenigen Jahren wieder abgehängt. Die Fluh -Flora und -Fauna atmet auf. Aber halt, zu früh geatmet. Die Fahne kommt wegen heftigen Schnappatmungs-Protesten wieder hin. Wir sind stolz auf unsere stolze Fahne und unsere Medien, die für Transparenz sorgen, selbst wenn mal nichts läuft. Die Fluh-Eidechsen sollen an den Hallwilersee umziehen, wenn’s ihnen nicht passt.