Eigentlich meinte ich immer, regieren heisse, einen Staat zu lenken; also sozusagen das Staatsschiff in weiser Voraussicht durch das oft bewegte Meer zu führen, einem sicheren Hafen zu, oder doch wenigstens mit starker Hand durch die Stürme. Die Regierung des Kantons Baselland macht das Gegenteil: Sie verschlechtert die Anstellungsbedingungen für das Reinigungspersonal, das zum Teil seit 20 Jahren getreulich die Überreste der Toilettenbesuche unserer Kinder entfernt und die Schulzimmer spätabends und frühmorgens von allem Unerwünschten reinigt, dermassen, dass die Stadt Liestal nicht mehr dahinter stehen kann und sich gezwungen sieht, ihr Personal zu entlassen. Der Kanton nimmt also in Kauf, dass diese meist weiblichen Dienerinnen des Staates über Bord gehen.

Dabei scheint beim Kapitän nicht angekommen zu sein, dass diese Frauen nicht nur putzen, sondern ein ganz wichtiges, wenn auch kaum beachtetes Rad unseres Erziehungssystems darstellen. Sie sind es nämlich, die den Lehrkräften mitteilen, wenn deren Zöglinge von Sauberkeit und damit auch Respekt gegenüber anderen Menschen noch nicht allzu viel mitbekommen haben. Sie sollen nun weichen – etwa um Geld zu sparen? Bis jetzt war mir nicht klar, dass sie an der Misere unseres Kantons schuld sind und so viel verdienen, dass ihre Entlassung den Kanton rettet. Ich hätte gedacht, dass die Einsparungen viel grösser wären, wenn der anscheinend orientierungslos gewordene Kapitän vorübergehend auf sein Gehalt verzichtet. Aber offenbar habe ich da etwas mit den Lohnklassen nicht ganz kapiert.

Oder ich unterschätze schlichtweg unsere Schulkinder und Lehrkräfte: möglicherweise brauchen die in Zukunft gar kein Reinigungspersonal mehr, da sie ab sofort einfach keine Verunreinigungen mehr verursachen werden. Man könnte auch die Schulstunden so zusammenstreichen, dass hinfort vor und nach dem Unterricht zu Hause auf das stille Örtchen gegangen werden kann. Ausserdem ist mir zu Ohren gekommen, dass die Schulhaustoilette auch in Zukunft noch gereinigt werden soll – wenn auch nur noch einmal pro Woche und wohl durch irgendeinen Putzdienst, aber immerhin. Eine Mitarbeiterin einer Chemiefirma hat mir verraten, dass auch bei ihnen der Reinigungsdienst ausgelagert wurde. Die ständig wechselnden Leute der externen Firma hielten die Computerkabel für überflüssigen Salat und rissen diesen kurzerhand heraus, was viele amüsante Nebeneffekte erzielte. Die Unterhaltung war zwar nicht ganz günstig, aber immerhin originell. In diesem Sinne: Schiff ahoi, weiter so, Kapitän!