Die Zugbegleiterin war charmant. Keine Frage. Sie wollte «tous les billets» sehen. So rief sie es in den Waggon. Zuvor hatte sie noch ein «Bonjour» gesäuselt. Ich sass im Zug von Basel nach Biel. Es war kurz nach Laufen, als ich zum ersten Mal mein Billett zeigen musste: Nach den paar Brocken français, die ich in Gegenwart der Zugbegleiterin stammelte, wechselte die Dame auf Englisch. Für mich un choc!

Eine Zugbegleiterin der Bundesbahnen und ein Deutschschweizer unterhalten sich auf Englisch. Jetzt ists passiert. Der Röstigraben wird zur Zonengrenze. Wir sind verloren. La Suisse n’existe plus. So hätte es mein Grossvater selig empfunden. Aktivdienstgeneration, stationiert unter anderem am Badischen Bahnhof. «Ich nahm mir vor», erzählte er jeweils, «zwei Deutsche mitzunehmen, bevor es mich nimmt.»

Die Schweiz war ihm wichtig. Auf eine Weise, wie wir es uns nicht vorstellen können. Wir, die keine Verdunkelung mitbekommen haben und auch keinen Kanonendonner. Als Kind durfte ich am 1. August Schwyzerfähnli zwischen seine Geranien stecken. Vielleicht hätte ich meinem Grossvater geantwortet auf seine Ängste ums Vaterland: ganz ruhig!

Dass die Kondukteurin (er hätte niemals «Zugbegleiterin» gesagt) mit mir auf Englisch spricht, beweist vielleicht gerade, wie gut es der Schweiz geht. Wie gelöst die Sprachgruppen miteinander umgehen. Früher hätte eine stolze Romande doch darauf bestanden, dass ein Suisse allemand mit ihr Französisch parliert. Mein Grossvater hätte mir sicher beigepflichtet. Sie seien schon legerer geworden, hätte er wohl gesagt, «die cheibe Wälsche». Dann hätte er sich wieder Wichtigerem zugewandt. Zum Beispiel den Geranien.