Es ist ja schon speziell, sich als Sozialdemokrat in einer Tageszeitung über einen dort erschienenen Gastkommentar eines … Sozialdemokraten zu äussern. Wenn aber im Titel der Begriff «Denkverbot» erscheint, werde ich als Unterzeichner einer «Motion betreffend
Stopp Gundelitunnel» schon aus dem Busch geklopft.

Denkverbot? Mitnichten! Wir Motionäre würden ein Denkverbot verhängen, meint der Gastkommentator.

Nein, es geht uns ums DENKEN. Allerdings in eine andere Richtung. Stadtautobahnen sind Entwürfe aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Sie offerieren zusätzliche Verkehrsflächen, regen den Gebrauch von Individualmotorfahrzeugen an. Zwar fällt allenfalls in einigen Jahren, dank elektrischem Antrieb, die Luftbelastung weg. Aber das Mengenproblem, welches zu Staus und Parkplatzansprüchen führt, ist damit nicht gelöst. Deshalb heisst die Stossrichtung von uns Rot-Grünen im Grossen Rat, nebst der Umstellung auf umweltschonende Antriebsarten, Verminderung der Anzahl Individualfahrzeuge.

So wie die landesweite Bebauung mit Einfamilienhäusern («Verhäuselung der Schweiz») nach Alternativen rief (und in der koordinierten Planung mit Mehrfamilienhäuserüberbauungen zur Bewahrung des kostbaren Bodens beitrug), so ist beim Verkehr vom «Einfamilienhäuschen auf Rädern», dem individuellen Motorfahrzeug, wegzukommen. Wir werden sonst der Flut der Blechkisten nicht mehr Herr. Alle paar Jahre eine Strassenspur dazu zu bauen: Dafür fehlt, vor allem in den Städten, der Platz.

Entscheidend weniger Einpersonenfahrten, mehr Autoteilsystem-Gebrauch, Einschränkungen der Möglichkeiten, in den städtischen Räumen ein eigenes Fahrzeug zu verwenden. Dies verschafft dem nötigen Versorgungsverkehr, dem Gewerbe, den Handwerkern und Dienstleistern, signifikant mehr Raum auf dem bestehenden Strassennetz. Dies müsste auch im Interesse des Gewerbeverbands liegen. Ein weiterer Punkt in unserem Denken: die Pendlerströme an der Peripherie auf den öV bringen.

Der Transitverkehr von Frankreich/Deutschland in die Schweiz (und in der Gegenrichtung) ist mit der Nord- und Osttangente bestens bedient, dazu braucht es keine West- und Südtangente. Eben: Einen «Autobahnring» wollen wir nicht. Deshalb auch gibt es für uns nichts zu «vollenden».

Noch ein Wort zum Gundeli: glückliches Quartier dank einem Gundelitunnel? Zwar wäre der 50-Prozent-Anteil des Durchgangsverkehrs effektiv aus den Augen und aus dem Sinn der GundelianerInnen, aber dieser Verkehr ergiesst sich danach in den folgenden Stadtteilen, bei der nächsten oder übernächsten Ausfahrt, an die Oberfläche. Zudem suggeriert dieser «einfache» Weg untendurch, «Autos, ihr könnt kommen, hier hat es Platz». Die Erfahrung seit Jahren: Wo es zusätzlichen Strassenraum hat, wird der auch gleich wieder aufgefüllt. Die Einladung für noch mehr Verkehr.

Falls jedoch der Verkehr östlich des Gundelis wirklich reiner Durchgangsverkehr nach Norden, sprich Frankreich, sein sollte: dann bitte auf die Ost- und Nordtangente, die führen bequem in französische Destinationen. Und noch ein Wort zu den 50-Prozent-Ziel- und Quellverkehr: der bliebe ja auch mit Gundeli-Unterquerung. Wenn es den BewohnerInnen des Gundeldinger-Quartiers in Sachen Autos zuviel wird, müssten sie halt entweder das Auto teilen, Fahrgemeinschaften bilden, Carsharing oder, ohjeminee: endlich umsteigen, auf den öV, das Velo oder zu Fuss gehen. Da könnte auch im Gundeli wieder gelacht werden. Es wäre ja gelacht, gelänge das im Gundeli nicht mittelfristig, oder?

Übrigens: Wenn Baselland unbedingt eine eigene Hochleistungsstrasse von Allschwil nach Münchenstein bauen will, dürfen sie dies gerne auf eigene Kosten, ob oberirdisch oder unten durch, auf kantonseigenem Gelände verwirklichen.

Wenn die Pendelnden eine Südumfahrung wollen, dann müsste die Linienführung Schänzlitunnel–Bruderholztransversale–Bottmingertunnel–Allschwil sein. Damit wäre das Birsigtal viel besser und direkter erschlossen, die Hagnau würde entlastet und ebenso der Abschnitt Schwarzwaldallee der A2. Aber eben, die Agglobevölkerung möchte vielleicht den selbst verursachten Verkehr nicht vor der Nase haben – da opfert man lieber drei Stadtquartiere. Der Clou dieser Geschichte: Gewisse Basler LokalpolitikerInnen unterstützen dies auch noch ...