Persönlich

Suchtprobleme

Wenn unsere Autorin eine dicke Nase hat, greift sie zum Nasenspray – auch wenn sie weiss dass sie nicht so leicht davon los kommt. (Symbolbild)

Wenn unsere Autorin eine dicke Nase hat, greift sie zum Nasenspray – auch wenn sie weiss dass sie nicht so leicht davon los kommt. (Symbolbild)

Eigentlich bin ich keine Freundin von Medikamenten. Ich versuche, meine Alltagswehwehchen ohne ihre Hilfe durchzustehen. Doch eine grosse Ausnahme gibt es: Fällt mir das Atmen nur ein bisschen schwer, muss Nasenspray her. Und ich spreche hier nicht von Meerwasser oder Ähnlichem, sondern von der vollen Chemiedröhnung.

«Haben Sie dieses Produkt schon einmal verwendet?», fragt der Apotheker dann freundlich und ich nicke. «Dann wissen Sie ja, dass sie den Spray nur fünf Tage lang benutzen dürfen.» Ich schaue dann meist betreten zu Boden. Natürlich weiss ich das, aber daran gehalten habe ich mich noch nie.

Das Gefühl ist einfach zu schön: Ein Stoss links, ein Stoss rechts – schon ist die Nase frei. Egal, dass damit jedes Mal ein Teufelskreis beginnt. Denn Nasenspray schwellt die Schleimhäute ab, trocknet sie aber aus. Auf diese Austrocknung wiederum reagieren die Schleimhäute mit Anschwellen. Und was hilft wohl gegen dieses Anschwellen? Genau, mehr Nasenspray.

Erst wenn sich die blöden Sprüche über den «Suchti» häufen, merke auch ich, dass ich das Behandlungslimit längst überschritten habe, und versuche es mit kaltem Entzug. Das geht so lange gut, bis die Nacht kommt und ich mich mit blockierter Nase von rechts nach links wälze. «Nur noch ein letztes Mal», sage ich mir dann. «Nur damit ich schlafen kann.»

Dieses letzte Mal wiederholt sich jedoch täglich. Ein Glück, ist das Spraydöschen irgendwann leer. Dann geschieht der Entzug ganz natürlich. Nach zwei Tagen klappts mit dem Atmen wieder wie geschmiert und ich schwöre mir: Nächstes Mal halte ich mich ans Limit.

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Autor

Julia Gohl

Julia Gohl

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