Mein Leben im Dreiland

Südbaden hat die Nase vorn

Peter Schenk
Empfehlenswert: Auberge Paysanne in Lutter

Empfehlenswert: Auberge Paysanne in Lutter

Das Elsass ist zum Einkaufen, für Märkte und Feinkostläden mit Fisch und Käse wegen der Auswahl und den Preisen nach wie vor attraktiv. Einkehren verlangt dagegen sehr gute Ortskenntnis.

Insbesondere im Elsass wird man diese Kolumne nicht so gerne lesen. Als ich vor vielen Jahren zum Studium in den Südwesten Deutschlands nach Freiburg im Breisgau gekommen bin, war es für uns Studenten eine beliebte Ausflugsidee, im schönen benachbarten Frankreich einzukehren. Damit ist es seit geraumer Zeit allerdings gründlich vorbei.

Wenn ich mich heute mit einem guten Freund, der in Mulhouse an der Universität arbeitet, in der südelsässischen Stadt treffe, habe wir jedes Mal grosse Mühe, ein Restaurant mit einem anständigen Preis-Leistungs-Verhältnis zu finden, in dem wir korrekt zu Mittag essen können. Ich habe auch schon Freunde aus Mulhouse um Tipps gebeten, aber was ich da hörte, war mir einfach zu teuer.

Vielleicht muss ich dazu noch erwähnen, dass die Gehälter der französischen Professoren im Vergleich zu denen in der Schweiz geradezu mickrig sind – wir also aufs Geld achten müssen. Seit geraumer Zeit weichen wir auf ein arabisches Restaurant aus, aber günstig ist es dort ebenso wenig.

Die Elsässer haben das übrigens schon seit langem verstanden: Sie fahren wie viele Schweizer nach Südbaden zum Essen, weil dort Preis und Angebot in vielen Restaurants stimmig sind. Diese Tendenz hält ungebrochen an. Dieser Meinung ist auch Wolfgang Abel, Autor und Verleger des Badenweiler Oase-Verlags, der sich seit Jahrzehnten mit viel Liebe, Energie und Ausdauer der Beobachtung der hiesigen Gastronomie und der kulinarischen Angebote verschrieben hat.

Das Elsass findet er zum Einkaufen, für Märkte und Feinkostläden mit Fisch und Käse wegen der Auswahl und den Preisen nach wie vor attraktiv. «Einkehren verlangt dagegen sehr gute Ortskenntnis, nur dann lohnt es sich noch, zumal die solide, bürgerliche Mitte ja weitgehend verschwunden ist», wie er mir schreibt. Zum Glück gibt es da Ausnahmen. Eine will ich hier nennen, weil ich selber dort etliche Male sehr gute Erfahrungen gemacht habe.

Angenehmer Empfang und Service, mehrere verschieden grosse Menüs, zwar nicht wirklich billig, aber für das, was geboten wird, zu sehr korrekten Preisen. Ich rede von der «Auberge Paysanne» in Lutter, ein Dorf im elsässischen Jura, das gut zehn Kilometer von Rodersdorf liegt. Den Ausflug kann man mit einem schönen Spaziergang im lichten Sundgau verbinden.

Zudem kommt man in Biederthal am Bio-Hof der Familie Fernex vorbei. Aus einem grossen Kühlschrank am Rand der Strasse kann man sich auf dem Rückweg von der Beiz mit Ziegenkäse, Joghurt und mehr eindecken – ein Selbstbedienungsservice. Achtung: Mit der Einführung der Winterzeit hat die «Auberge Paysanne» leider schon am Sonntagabend geschlossen. Dienstagabend ist wieder auf.

Gut gefallen tut es mir übrigens auch in der «Couronne d’Or» in Leymen. Und natürlich weiss ich auch von den vielen Beizern, die in der Nordwestschweiz ausgezeichnete Arbeit leisten. Insbesondere die hohen Weinpreise verleiden mir hier allerdings manchmal die Lust zum Einkehren.

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Peter Schenk

Peter Schenk

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