Die «buralistes», die französischen Tabakwarenhändler, haben sich mit Händen und Füssen gewehrt, aber es war nichts zu machen: Seit Anfang Jahr gibt es in Frankreich nur noch olive-grüne Zigarettenschachteln zu kaufen, die alle gleich aussehen. Die Marke ist nur noch in einer vier Millimeter grossen Schritt zu erkennen. Produktplacement wie zum Beispiel in Filmen ist damit nicht mehr zu machen. Das war wohl auch einer der Gründe der Massnahme.

Um es vorwegzunehmen: Ich rauche schon lange nicht mehr. Mit Mitte 20 habe ich beim dritten Versuch erfolgreich aufgehört und bin froh darüber. Auch, weil ich die Schockbilder, die mir in gleicher Weise beidseitig auf deutschen wie französischen Zigarettenschachteln die Lust am Rauchen nehmen sollen, nicht zu sehen brauche.

Um kompetent über das Thema schreiben zu können, habe ich mir im Elsass, in Südbaden und in Basel eine Schachtel Marlboro gekauft. Im Unterschied zu Frankreich hat sich auf der deutschen Packung die typische weiss-rote Farbe der Marke halten können und der bekannte rote Schriftzug ist dreimal so gross wie auf der französischen Packung.

Mit Abstand am meisten an die alten Marlboro-Packungen erinnern mich die in Basel gekauften Zigaretten. Zwar gibt es auch hier ein Schockbild, aber das lässt sich wegdrehen und die Botschaft «Rauchen ist tödlich» auf der anderen Seite lässt sich vielleicht am leichtesten verdrängen, wenn man die Packung nicht sowieso in einer neutralen Hülle versenkt. Die kleine Infobox mit Teer-, Nikotin- und Kohlenmonoxidgehalt fällt in der EU übrigens weg, weil dies nur Informationsgehalt vorgauckle. Na ja. Am meisten Farbe hat auf jeden Fall noch die Schweizer Packung.

Während die erwähnten «buralistes» in Frankreich ein Monopol auf Tabakwaren haben, und es auch keine Automaten gibt, habe ich meine Packung in Weil am Rhein an der Tankstelle und in Basel im Supermarkt gekauft. Die sieben Euro in Huningue entsprechen fast den acht Franken in Basel, während die Schachtel Marlboro mit sechs Euro in Deutschland am billigsten war. Raucher werden das wissen. Auf jeden Fall sind mir an der Weiler Tankstelle, wo ich manchmal mein Auto wasche, regelmässig Elsässer aufgefallen, die sich dort stangenweise mit Zigaretten eindeckten. Dass die Schockbilder in Deutschland schon sei Mai des vergangenen Jahres auf den Packungen waren, scheint sie nicht gestört zu haben.

Aufgrund der Grenznähe haben die elsässischen «buralistes» ein besonders schweres Leben. Innerhalb von zehn Jahren sollen im Elsass immerhin ein Drittel von ihnen dicht gemacht haben. Man kann dort übrigens auch Briefmarken oder Steuermarken kaufen, um Bussen für falsches Parkieren oder zu schnelles Fahren zu bezahlen. Etliche machen mittlerweile mehr Umsatz mit Losverkäufen als mit Tabakwaren.

Manche betätigen sich auch als Banken, was zumindest einen kleinen Zusatzverdienst bringt. Die sogenannten «comptes Nickel» sind dafür gedacht, Leuten zu helfen, die bei normalen Banken gesperrt sind und kein Konto mehr haben dürfen. Die «buralistes» müssen bei der Nationalbank «Banque de France» anerkannt sein. Die internationalen Bankkarte funktioniert nur, wenn der Kunde nicht im Minus ist. Vom Tabakwarenhändler zum Banker – ich finde das eine interessante Entwicklung.