Mein Leben im Dreiland

Trotz Zollfreie auf den Tüllinger Hügel

Die Aussicht auf Basel vom Tüllinger aus

Die Aussicht auf Basel vom Tüllinger aus

Von Standschäden an seinem Auto inspiriert, machte unser Kolumnist Peter Schenk kürzlich einen kleinen Dreiland-Ausflug.

Neulich wäre ich beinahe durch die Motorfahrzeugkontrolle (MFK) geflogen, weil mein PW zu viel rumsteht. Es ging gerade noch, aber die Bremsbeläge hatten ein wenig Rost angesetzt; ein typischer Standschaden, wie mir ein Freund mit ähnlichen Problemen erklärt hat. Der freundliche MFK-Prüfer hat mir dann geraten, öfter Ausflüge zu machen. Weil ich kürzlich aufgrund eines Sonntagsdienstes am Montag frei hatte, habe ich das beherzigt. Daraus ist ein kleiner, interessanter Dreiland-Ausflug geworden.

Zuerst habe ich mich in Ötlingen mit zwei Freunden zum Mittagessen im «Rebstübli» getroffen. In der Beiz, die ich noch nicht kannte, gibt es drei kleine, gemütliche Gaststuben und draussen sitzen kann man auch. Ich habe es genossen und gut war es noch dazu. Die angebotenen, meist saisonalen badischen Speisen, die die freundliche Beizerin Isolde anbietet, stehen in Kreide auf einer Schiefertafel geschrieben. Das «Rebstübli» liegt, wenn man von Haltingen kommt, auf der rechten Seite der Hauptstrasse hinter dem wohl bekannteren «Ochsen».

Danach war ich nach langer Zeit mal wieder in Huningue, wo ich viele Jahre gelebt habe. Ich gehe dort gerne in den Supermarkt Match, vor allem, weil es dort manche Produkte gibt, die ich in Basel nicht finde. So habe ich mich mal wieder mit Roquefort-Creme eingedeckt, die in kleinen praktischen Portionen abgepackt und einige Monate haltbar ist – mein persönlicher kleiner Notvorrat. Auch ein typisches französisches Baguette, ein Stück Mimolette, ein französischer Hartkäse aus Kuhmilch, und ein spezieller Honig aus dem Sortiment «Patrimoine Gourmande» wanderten in meinen Einkaufskorb.

Ich habe mich dann kurz gefragt, ob meine Einkäufe noch einen Museumsbesuch im nicht gekühlte Kofferraum überstehen und habe mich über die Palmrainbrücke auf den Weg zur Fondation Beyeler gemacht, um mir die (grandiose!) Ausstellung «Kandinsky, Marc & Der Blaue Reiter» anzuschauen. Ich war vor allem darum begeistert, weil ich einen Grossteil der Bilder noch nie in meinem Leben gesehen hatte. Mit Ausnahme der berühmten blauen Pferde von Marc und einiger abstrakter Werke von Kandinsky war wirklich fast alles neu für mich.

Für den Weg nach Riehen habe ich nach einigem Überlegen nicht die Zollfreie genommen und bin, wohl zum Leidwesen der Anwohner, durch Alt-Weil geschlichen. Um Leute wie mich abzuschrecken und sie auf die Zollfreistrasse zu leiten, hat die Weiler Stadtverwaltung schon ab dem Hieber-Supermarkt Tempo 30 eingeführt. Das gleiche gilt für die Durchquerung von Alt-Weil, wo zudem die Vorfahrtsstrasse aufgehoben ist und man ständig auf der Hut sein muss, dass niemand von rechts aus einer Querstrasse kommt. Ich muss zugeben, es hat mich nicht abgehalten: Der Umweg über die Zollfreie war mir zu gross. Nach der Ausstellung habe ich meinen Ausflug ausgedehnt und bin nach Tüllingen und den Tüllinger Hügel gefahren, um von dort die Aussicht auf Basel zu geniessen. Bevor die Zollfreie fertig war, verlief die kürzeste Verbindung zwischen Weil am Rhein und Lörrach über den Berg und Tüllingen und es wimmelte von Protestplakaten für die Zollfreie. Jetzt ist dort Ruhe eingekehrt. Ich gönne sie den Tüllingern.

Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

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