Kommentar

Türkei-Konflikt ist näher als gedacht

Der Anschlagsversuch zeigt schmerzlich auf, dass der Türkei-Konflikt näher ist, als uns lieb sein kann.

Der Anschlagsversuch zeigt schmerzlich auf, dass der Türkei-Konflikt näher ist, als uns lieb sein kann.

Unbekannte deponieren Brandsätze in einem Halal-Fleischverarbeitungsbetrieb in Buckten. Es sind PET-Flaschen, wohl mit Benzin gefüllt, die aber nicht Feuer fangen – warum, weiss ausser den Tätern bislang niemand. Auch wenn es nicht brannte im Oberbaselbiet: Der Anschlagsversuch zeigt schmerzlich auf, dass der Türkei-Konflikt näher ist, als uns lieb sein kann. Rund 120'000 Menschen mit türkischen Wurzeln leben in der Schweiz. Die türkische Diaspora ist äusserst heterogen und tief gespalten: Während sich ein Teil zu Präsident Recep Tayyip Erdogan und seinem harten Kurs gegen die Kurden bekennt, gehört ein grosser Teil, wahrscheinlich der Grösste, selber zu den potenziellen Opfern. Weil es sich um Kurden und Aleviten handelt.

Getroffen hätte es in Buckten einen Unbeteiligten. Der Inhaber der Sila AG hat jahrelang mit Murat Sahin, dem der Anschlag galt, zusammengearbeitet. Doch Sahin schied schon vor längerem aus der Unternehmensleitung aus. Die Ironie der Geschichte: Gerade die extremen politischen Positionen Sahins, eines bekennenden Erdogan-Verehrers, waren laut dem Geschäftsführer auch der Grund, weshalb man beschloss, getrennte Wege zu gehen.

Der Fall Sila AG zeigt auf: Jede und jeder kann Opfer von Extremisten werden. Denn sie handeln in blindem Eifer, weil sie sich auf der moralisch richtigen Seite wähnen. Der Türkei-Konflikt geht uns alle etwas an. Ob wir wollen oder nicht.

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