Es ist im Interesse der mehrheitlich monopolistischen Taxizentralen, dass alles bleibt, wie es ist. Die Überversorgung mit Taxis erlaubt es ihnen, den Minimallohn für ihre Angestellten, der bei läppischen 3200 Franken pro Monat liegt, weiter durchzusetzen. Ebenso die 53-Stunden-Woche. Damit ist auch gesagt, dass die Interessen von Zentralen und Fahrern gegensätzlicher nicht sein könnten. Doch dann kam Uber und schweisste die Kontrahenten zusammen.

Eine smarte App koordiniert ohne Zentrale die Bedürfnisse von Passagieren mit dem Angebot von Fahrwilligen. Natürlich kassiert Uber mit: 25 Prozent von jeder Fahrt. Weil Uberfahrer ihre Arbeitszeit gezielt auf die lukrativen Nachtstunden, Messen, Fasnachtstage und Wochenenden einstellen können, verdienen sie pro Arbeitsstunde oft mehr als ausgebildete Taxifahrer. Diese müssen sich an Gesetze halten und einen Fahrtenschreiber im Kofferraum mitführen. Fahrtenschreiber haben auch die voll legalen Uber-X-Fahrer.

Allerdings kutschieren die Mehrheit der Uber-Piloten unter dem Label Uber Pop. Es steht für Hobbychauffeur. Im Gegensatz zu Uber X bewegt sich Uber Pop in einer juristischen Grauzone. Es gibt weder Arbeitszeitkontrollen noch übernimmt Uber AHV- und Versicherungskosten. Der Amerikanische Fahrtenvermittler stellt sich auf den Standpunkt, Uber-Fahrer seien selbstständig Erwerbende.

Doch weshalb soll uns das alles interessieren? Erstens ist die Freude über die neuen, günstigen Transportpreise getrübt durch das schlechte Gewissen. Uber sei ein «Schmarotzer», schrieb die bz gestern. Dies ist allerdings ein scheinheiliges Argument, liegen doch die Arbeitsbedingungen bei den Taxizentralen auf «Working Poor»-Niveau.

Entscheidender ist dies: Sollte es den Taxizentralen gelingen, Uber aus dem Markt zu drängen, dann bringen sie Basel um die Früchte der Digitalisierung. Der volkswirtschaftliche Nutzen einer App, die Angebot und Nachfrage in der Mobilität gezielt zusammenbringt, ist gross. Konkret: Es bleibt mehr Geld und Zeit für andere, schöne Dinge des Lebens oder Investitionen.

Städte, die solche Technologien nutzen, heissen Neudeutsch «Smart Cities». Dies nicht zu Unrecht. Denn es gelingt ihnen, den Konsum, das öffentliche Leben und nicht zuletzt auch die Demokratie differenzierter und effizienter zu gestalten. Mit diesem Ziel gründeten IWB und der Gewerbeverband letzten Monat den Verein «Smart Regio Basel».

Am Beispiel Uber entscheidet sich, ob Basel diesen Weg geht, oder in der Provinzialität versinkt. «Art»-Besucher würden sich wundern, Basel als Uber-freie Insel zu erleiden. So bald die Dichte an Uber-Fahrten einen gewissen Schwellenwert erreicht hat, wird das Unternehmen die nächste Raketenstufe zünden: Uber Pool bündelt die Fahrten von unabhängigen Kunden, die in eine ähnliche Richtung müssen. Dies entlastet auch das Strassennetz und die Umwelt.

Anstatt zu jammern und die Maschine Uber zu stürmen, sollten sich die Taxizentralen überlegen, wie sie mithelfen können, Basel in die Moderne zu führen. Permanent auf der Bremse stehen hat noch keinen ans Ziel gebracht. Und der Rückwärtsgang noch weniger. Ebenso sind die Behörden aufgerufen, gleiche gesetzliche Bedingungen für alle Anbieter durchzusetzen. Nur so kann garantiert werden, dass die Modernisierung nicht auf Kosten der Arbeitnehmer geht.