Sicherheitsdirektor Baschi Dürr hat rasch gehandelt und nach Auffliegen eines mutmasslichen Erdogan-Spitzels in den eigenen Reihen die offensichtlichen Versäumnisse der Polizeispitze extern abklären lassen. Der Zürcher Staatsrechtsprofessor Felix Uhlmann zeichnet ein wenig schmeichelhaftes Bild. Die Kurzfassung des in nur sieben Wochen erstellten Gutachtens: Der Wille, der Angelegenheit auf den Grund zu gehen, erlahmte angesichts der rechtlichen Hürden zu rasch.

Zähneknirschend gelobte die interimistische Polizeispitze Besserung. Man sah Vizekommandant Rolf Meyer an der gestrigen Pressekonferenz an, dass er mit Uhlmanns Analyse nicht vollumfänglich einverstanden war. Vielleicht wurde der Bericht auch deshalb mindestens einmal überarbeitet, bevor er veröffentlicht wurde.

Das Problem am Gutachten sind aber nicht die redaktionellen Eingriffe, weil der Befund auch so glasklar ist. Das Problem ist, dass Y. S. dargestellt wird, als ob für ihn die Unschuldsvermutung nicht gelte. Man könnte von einer Vorverurteilung sprechen, weil vermutete Handlungen als Tatsache und tatsächliche Handlungen als Beweis dargestellt werden.

Nicht implizit zwar, aber von der Tonalität her. Und das, während die Untersuchung der Staatsanwaltschaft noch längst nicht abgeschlossen ist und ein (allfälliges) Gerichtsurteil in weiter Ferne liegt. Uhlmann hatte den Auftrag, den Umgang der Führung mit dem Fall zu untersuchen, nicht den Fall selbst. Vielleicht hätte ihm Dürr das deutlicher erklären müssen.