Die epochale Frauenpower, die sich am Freitag auf Basels Strassen wie in der ganzen Schweiz manifestierte, markiert den Beginn eines neuen Zeitalters. Die Gleichberechtigung aller Menschen, eigentlich eine Binsenweisheit, wird in den nächsten Monaten und Jahren zum bestimmenden Thema in Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Politik.

Als ob dies nicht ausreichte, um uns aufzuwecken, erleben wir parallel eine Welle grosser Klimademonstrationen. Mit Ausdrucksformen, die wie beim Frauenstreik an ein Volksfest erinnern, reklamiert die Jugend ein einfaches Grundrecht für sich: Sie will eine lebenswerte Zukunft, ohne ständige Angst vor den Folgen der Erderhitzung.

Es ist ein Armutszeugnis für unsere reale Welt, dass sich diese simplen, selbstverständlichen und völlig undogmatischen Ideen von Frauen und Jugendlichen so utopisch anfühlen. Zumal die beiden Themen bei näherem Hinsehen eng miteinander verflochten sind: Es ist die männlich dominierte, auf naturzerstörerisches Wachstum getrimmte Wirtschaftsweise, die uns an den Abgrund der Umweltkatastrophe geführt hat.

Natürlich würden Frauen nicht automatisch bessere Verhältnisse schaffen. Doch hat die Ausbeutung von Frauen durch Benachteiligung, Unterdrückung und Gewalt die gleichen Wurzeln wie der Raubbau an der Natur: In beiden Ausbeutungssystemen dominieren Männer, die von diesen Verhältnissen profitieren. Der gegenseitige Respekt von Männern und Frauen bildet die gemeinsame Grundlage für eine Lebensweise, die auch mit der Natur partnerschaftlich umgeht, diese pflegt und für die Nachkommen erhält. Was wie eine Sonntagspredigt tönt, wird oft als solche verlacht und zwar genau von jenen,
die etwas zu verlieren haben, wenn die Verhältnisse nicht bleiben, wie sie sind.

Doch «unter dem Pflaster liegt der Strand», wie es mal auf einem Spruchband der Frankfurter Jugendbewegung um Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit hiess. Diese poetische Parole sagt nichts anderes als: Utopien müssen keine Träume bleiben, wenn Protestierende zusammenspannen. Die heutigen Demonstrantinnen und Demonstranten haben aber keine Ideologien im Kopf, sondern überlebenswichtige Anliegen, die alle angehen. Deshalb liegt auch
ihr Strand, die Realisierung der scheinbaren Utopie, in greifbarer Nähe.

Basel eignet sich als Labor, um diese Zukunft zu gestalten. Wir sind ein Stadtstaat, mit integrierten kantonalen und kommunalen Kompetenzen. Auf lokale Geschlechterverhältnisse und Treibhausgase hat unsere Politik direkten Einfluss. Wenn entsprechende politische Vorstösse, aber auch private Innovationen sich ausdrücklich auf Gleichstellung oder wirksamen Klimaschutz beziehen können, haben sie grosse Chancen, eine Mehrheit beim Volk zu finden. Eine Stadt zu gestalten, die nicht nur eine Spur mehr, sondern konsequenten Klimaschutz und nicht bloss ein wenig, sondern volle Gleichberechtigung ermöglicht, ist die selbstverständliche, gemeinsame Aufgabe von uns Baslerinnen und Baslern. Wo, wenn nicht hier? Wann, wenn nicht heute?