Wer politische Gegensätze durch Kungelei im Hinterzimmer lösen will, schadet dem Vertrauen in unsere Demokratie.» Das sagte der damalige deutsche Bundespräsident Roman Herzog gemäss Wikipedia im Mai 1999. Was für eine parlamentarische Demokratie gilt, gilt für ein direktdemokratisches System erst recht. Denn die Exekutiven und Parlamente sind dem Volk jederzeit Rechenschaft schuldig, respektive sie können jederzeit durch Initiativen und Referenden zur Rechenschaft gezogen werden. Das fällt Opponenten umso leichter, je stärker ein politisches Geschäft nach klandestinen Absprachen riecht. 

Dass es der Basler Finanzdirektorin Eva Herzog – aus der Erfahrung mit der Unternehmensbesteuerungsreform III klug geworden – gelungen ist, Exponenten aller wichtigen Parteien auf ein gemeinsames Vorgehen bei der Steuerreform 17 zu verpflichten, ist hingegen ein Coup. Zumal auch die Wirtschaftsverbände mit an Bord sind. Das Vorgehen mag demokratiepolitisch fragwürdig sein, angesichts der drängenden Zeit und des hohen Preises, den die Schweiz mutmasslich bezahlen muss, sollte sie mit dem Ausland nicht schleunigst gleichziehen, ist es ein Meisterstück der Diplomatie.

Alle müssen etwas hergeben, alle erhalten dafür etwas. Natürlich liegt auch hier der Teufel im Detail. Die Schmerzgrenzen wurden zum Teil arg geritzt. Es gibt keine Garantie, dass die Fraktionen nicht nachzubessern versuchen und so das fragile Gleichgewicht zum Kippen bringen. Und es ist ebenfalls möglich, dass die Basta im Verbund mit anderen kleineren Parteien das Referendum ergreift. Ist das der Fall, könnten wiederum eine Vielzahl von unterschiedlich motivierten Widerständen Herzogs Meisterstück zerlegen.