Urs Hintermann tritt als Gemeindepräsident von Reinach zurück. Sein frühzeitiger Abgang ist selbst verschuldet – zumindest teilweise. Trotzdem: Es ist die falsche Person, die jetzt das schlingernde Schiff verlässt.

Hintermann begründet den Schritt mit dem politischen Klima im Einwohnerrat und einer «beispiellosen Medienkampagne» (gemeint ist die Berichterstattung der «Basler Zeitung»). Dabei hat er keine gute Figur abgegeben, seit die Asylheimaffäre vor rund neun Monaten ins Rollen kam. Als Gemeindepräsident und Kommunikationsverantwortlicher geriet er zunehmend in die Kritik – nicht ganz unbegründet. Zu lange stellte er sich hinter die Asylbetreuerin, die mit einem 17-jährigen Flüchtling ins Bett gestiegen war. Ihr Fehlverhalten wurde in Gemeinde-Communiqués selbst dann noch als nicht erwiesen dargestellt, als explizite Fotos des Paares im Umlauf waren. Vor allem aber stellte Hintermann die Angelegenheit als aufgebauscht dar. Verwaltung und Gemeinderat sah er als Opfer von bösartigen Journalisten. Auf unliebsame Berichte folgten prompt langatmige Richtigstellungen. Dabei merkte Hintermann nicht, dass er an Rückhalt einbüsste – sogar innerhalb seiner eigenen Partei.

Nun hat ihm der Fall politisch das Genick gebrochen. Für Reinach ist sein Abgang ein Verlust, hat er doch wesentlich dazu beigetragen, aus einer intern hoffnungslos verkrachten Gemeinde einen blühenden Wohn- und Wirtschaftsstandort zu machen.

Es wird die dringliche Aufgabe von Hintermanns Nachfolge sein, für Ordnung zu sorgen. Denn eines hat dieser Fall exemplarisch aufgezeigt: Beim Thema Asyl verträgt es nichts.