Mein Leben im Dreiland

Vom spröden Weiler Charme

Das Weiler Einkaufszentrum Kaufring

Das Weiler Einkaufszentrum Kaufring

Die Weiler lieben ihren Kaufring. Denn da gebe es alles. Unser Kolumnist ging aber auf seiner Suche nach Haken, um Bilder in seiner Wohnung aufzuhängen, leer aus. Zum Glück gib es im Dreiland noch andere Kaufhäuser.

Die regelmässigen Leserinnen und Leser dieser Kolumne werden es wissen: Ich liebe nicht nur das Dreiland, sondern auch Italien. Manchmal lässt sich das sogar verbinden. So habe ich in der Nähe der Basler Heuwaage die «Missione Cattolica Italiana» entdeckt (Rümelinbachweg 14). Das ist am Mittag eine Art italienische Kantine, und ich fühle mich dort sofort wie im tiefsten Italien. Denselben leicht spröden Charme habe ich in einem italienischen Supermarkt etwas abseits des nicht wirklich existierenden Weiler Zentrums in der Danziger Strasse 4 gefunden. «Supermercato Little Italy» heisst er. Aber keine Sorge: Hier spricht man Italienisch.

Pasta und Olivenöl, Panettone und Wein, Café und Pomodori secchi, also eingelegte Tomaten, oder auch italienisches Putzmittel – ich habe kein Produkt entdeckt, das nicht aus Italien stammt. Auch eine Frischetheke für Käse und Schinken gibt es. Die Bedienung erfolgt, wenn man will, auf Italienisch, und der Kassenbon führt die gekauften Produkte nur auf Italienisch auf. Dabei ist das Ganze kein Delikatessenladen, sondern ein wirklich einfacher italienischer Supermarkt. Gerade das gefällt mir.

In Weil gibt es auch ein Kaufhaus, dessen Bedeutung für die Einheimischen ich lange nicht nachvollziehen konnte: den Kaufring in der Nähe der Hangkante oberhalb des Bahnhofs, vielleicht 200 Meter von der Endhaltestelle des 8er-Trams. Das Kaufhaus hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Weiler Bürger 2011 ein 27 000 Quadratmeter grosses Einkaufszentrum ablehnten, weil sie nicht auf ihren Kaufring verzichten wollten, das dem Projekt weichen sollte.

Einen Schönheitspreis wird das 37 Jahre alte Kaufhaus sicher nicht gewinnen, aber neulich war ich mal drin und habe festgestellt, dass es wirklich fast alles zu bieten hat: Kleidung und Papeterie, Haushaltswaren, Spielzeug, Uhren, Schuhe und Bettzeug, einen Bäcker, einen Supermarkt, einen Schuster, eine Poststelle und ein chinesisches Restaurant. Sogar ein Packtisch mit Gratis-Geschenkpapier steht zur Verfügung. Natürlich gibt es in jedem grösseren Migros, Coop oder der Manor ein derartiges Angebot, aber irgendwie ist das Einkaufen im Kaufring ein Ausflug nach Deutschland.

Neulich hat mir ein Weiler Journalistenkollege erzählt, dass die Weiler sagen, im Kaufring gebe es alles. Ich habe das ausprobiert, muss aber in diesem Punkt widersprechen. Ich brauchte Haken, um Bilder in meiner Wohnung aufzuhängen. Nichts zu machen – die gab es nicht. Und da der letzte Eisenwarenhändler in Weil schon vor langen Jahren geschlossen hat, schickte der Verkäufer mich zum Baumarkt nach Binzen. Wunderbar! Eine gute Idee für Velofahrer. Unbrauchbar.

Ich habe mich dann besonnen, dass die Migros am Claraplatz relativ gut bei Werkzeug, Nägeln und Schrauben sortiert ist. Die Haken, die ich brauchte, habe ich dort aber nicht gefunden. Ich bin schliesslich im Jumbo in der Clarastrasse gelandet und fündig geworden. Das sei der einzige Laden in der Stadt Basel, der derartige Produkte noch führe, haben mir mehrere Basler unabhängig voneinander erzählt. Mit dem Velo einkaufen zu können, ist eine Form von Lebensqualität – ich werde dem Jumbo treu bleiben und ihn unterstützen.

Die Weiler Bürger haben übrigens 2015 doch noch ein neues Einkaufszentrum akzeptiert – allerdings kleiner als das ursprünglich geplante. Und das wichtigste: der Kaufring wird nicht angetastet. Ob es im neuen Einkaufszentrum allerdings Schrauben, Haken und Nägel geben wird, wage ich zu bezweifeln.

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