Am 3. August 1833 schlugen sich die Basler und die Baselbieter Truppen bei der Hülftenschanze und im Hardwald die Köpfe blutig. Basel hatte 61 Tote und 114 Verwundete zu beklagen, die Landschaft 7 Tote und 18 Verwundete. Seither sind die beiden Basel immer wieder aneinandergeraten, aber sie griffen nie mehr zu den Waffen.

Im November 1847 traten im Sonderbundskrieg die liberalen und die konservativen Kantone gegeneinander an. Die Tagsatzungstruppen zählten 60 Tote und 124 Verwundete, die Sonderbundstruppen 33 Tote und 510 Verwundete. Seither haben die Eidgenossen über viele Themen miteinander gestritten, aber sie griffen nie mehr zu den Waffen.

Der Erste Weltkrieg endete mit 9,4 Millionen Gefallenen. Darunter waren 2 Millionen aus Deutschland, 1,8 Millionen aus Russland, 1,3 Millionen aus Frankreich und 1,1 Millionen aus Österreich-Ungarn. Noch schrecklicher wütete der Zweite Weltkrieg: Er forderte unter den Soldaten und unter der Zivilbevölkerung 65 Millionen Tote. Darunter waren 27 Millionen Sowjetbürger, 6,3 Millionen Deutsche, 6 Millionen Polen, 3,7 Millionen Japaner, 3 Millionen Inder, 1,7 Millionen Jugoslawen und 360 000 Franzosen. Seither haben die Europäer zahlreiche Konflikte ausgetragen, aber sie griffen nie mehr gegeneinander zu den Waffen. Die Gründung der Schweizerischen Eidgenossenschaft 1848 war nicht nur ein Zentralisierungs- und Modernisierungsprojekt, sondern auch ein Friedensprojekt. Sie hat die Kriege unter den Kantonen, die es 400 Jahre lang gegeben hatte, endgültig abgestellt. Die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft 1957, der heutigen Europäischen Gemeinschaft (EU), war nicht nur ein ökonomisches Projekt, sondern auch ein Menschenrechts- und Friedensprojekt. Sie hat die Kriege unter europäischen Nationen, die es immer gegeben hatte, unmöglich gemacht. Warum wird diese Erfolgsstrategie nicht fortgesetzt? Wenn immer mehr Länder Gemeinschaften angehörten, die den Krieg ächten, dann wäre er eines Tages weltweit unmöglich. Denn nichts ist verheerender als der Krieg. Krieg ist nicht die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, wie Clausewitz sagte, sondern der totale Ausfall von Politik. Er ersetzt Politik durch den Wahnsinn.

Doch wie reagieren die Nato-Partner auf die Forderung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, sie müssten ihre Verteidigungsausgaben erhöhen, sonst würden die USA ihr Engagement reduzieren? Sie beeilen sich alle, ihre Militärausgaben auf zwei Prozent des Bruttoinlandproduktes zu steigern, erhöhen also ihre Kriegsbereitschaft.

Sie sagen nicht: Dann senken wir eben auch unsere Militärausgaben. Sie ignorieren die Stimmung in der Bevölkerung: Für eine Erhöhung der Militärausgaben plädieren gerade mal 52 Prozent der Polen, aber nur 43 Prozent der Briten, 34 Prozent der Deutschen, 32 Prozent der Franzosen und 26 Prozent der Italiener. Die Mehrheiten in den westeuropäischen Ländern sind gegen mehr Geld für die Kriegsbereitschaft. Dies sollte den politisch Verantwortlichen zu denken geben. Wer heute vernünftig argumentiert, vertritt aus guten Gründen kein «Si vis pacem, para bellum» (wenn du den Frieden willst, bereite den Krieg vor) mehr, sondern ist überzeugt: «Si vis pacem, aedifica pacem» (wenn du den Frieden willst, dann baue am Frieden).