Und wieder erlebt die Baselbieter Bau- und Verkehrsdirektorin Sabine Pegoraro einen Abstimmungssonntag zum Vergessen. An der Urne bekommt sie kaum einen Fuss vor den andern. Entwicklungsplanung Leimental-Birseck-Allschwil (Elba), Energiesteuer, Deponiestandorte, Margarethenstich und nun das Läufelfingerli, die Regierungsrätin kassiert Schlappe um Schlappe. Natürlich sind die Gründe für die Niederlagen vielfältig. Einmal ist eine Vorlage zu kompliziert, einmal riecht sie zu stark nach Nepotismus, einmal wird die lokale Bevölkerung übergangen, einmal haben die Baselbieter Stimmbürgerinnen und Stimmbürger das Spardiktat verinnerlicht und einmal wollen sie bewahren statt stilllegen.

Doch immer drückt ein Problem Pegoraros durch: Es fehlt ihr an politischem Gespür. Eingebettet in eine praktisch rein bürgerliche Regierung, vertrauend auf eine solide bürgerliche Mehrheit im Landrat und trotz interner Kritik noch immer einem freisinnigen Netzwerk zugehörig, hat die im idyllischen Pfeffingen wohnende Politikerin den Draht zur Bevölkerung verloren. Ja, schlimmer: Es fehlt ihr an Gestaltungswillen, um nicht zu sagen an Fantasie. Pegoraro, dieser Eindruck verfestigt sich, ist mehr Chefbeamtin als Magistratin. Vorlagen, die mit ihrem Namen verbunden sind, lösen mittlerweile einen automatischen Abwehrreflex aus.

Das ist tragisch für eine Politikerin, deren regierungsrätliche Karriere sich dem Ende zuneigt. Zumal es nicht ihre Schuld ist, wenn Kassenwart Anton Lauber in einer traditionsreichen, aber schlecht ausgelasteten Bahnlinie nicht die Romantik, sondern das Defizit sieht. Allerdings trägt sie sehr wohl die Verantwortung dafür, dass es keinerlei Bemühungen gegeben hat, das Läufelfingerli besser ins SBB-Netz zu integrieren.

Eine Arbeit, die sie nach dem überaus klaren Volksentscheid nun nachholen muss. Zudem war es zumindest unklug, das Schicksal der S 9 nicht vom Generellen Leistungsauftrag abgekoppelt zu haben. Denn jetzt steht der gesamte öV im Baselbiet erneut auf dem Prüfstand. Nicht ausgeschlossen, dass die Regierung versuchen wird, die nun nicht eingesparten 840'000 Franken andernorts zu kompensieren.

In 16 Monaten wird die Regierung neu bestellt. Solange will Pegoraro noch ausharren. Zu verlieren hat sie nichts mehr. Also sollte sie die Zeit nutzen, um ihr ramponiertes Image aufzupolieren. Zum Beispiel, indem sie zusammen mit ihrem Kollegen Hans-Peter Wessels aus dem Stadt-Kanton Herzblut fürs Herzstück vergiesst.