Knöchel? Check! Knie? Check! Hüfte? Heieiei, aber: check! Brust? Ich ersticke! Mann, dieser Bergbach ist saukalt! Fünf Grad, mir wird fast schwarz vor den Augen. Aber ich wollte ja unbedingt am Strongmanrun teilnehmen. Zwei Wochen später wundere ich mich, wie ich das kalte Wasser ohne Unterkühlung überstanden habe – und zwar genau in dem Moment, als ich dieses Jahr den ersten Sprung in den Rhein wage. 19 Grad lese ich auf dem Schild unten am Strand beim Tinguely Museum. Warme Pfütze, das denke ich mir. Doch nein: Saukalt ist auch unser Stadtbach. Gut, vielleicht liegt es an den schwülwarmen 34 Grad, die ich den ganzen Tag in mich rein gesogen habe.

Als sich mein Körper an das kalte Wasser gewöhnt und ich wieder klar denke, schwimme ich in Erinnerungen. Ich denke daran, wie ich jeweils die Tür der Dachterrasse geöffnet habe und sich vor mir ein rund acht Meter langes und 1,20 Meter tiefes Becken präsentiert hat. Nach einer kurzen Dusche empfing mich im Hochsommer knapp 30 Grad warmes Wasser. Nicht für jedermann. Aber ich fands herrlich! Bei jedem Schwimmzug war ich meinem Grossvater dankbar. Denn er war es, der anfangs der 70er-Jahre die Idee hatte, einen Pool aufs Dach zu bauen.

Baden hoch über der Stadt: Was gibt es im Sommer Schöneres? Schwimmen im Rhein war nicht so das Ding von «Tätä», wie mein Vater weiss. War wohl auch ein Gfröhrli. Wärme fand mein Grossvater im Thermalbad in Bad Bellingen. Mit dem Hin- und Herpendeln wurde er allerdings nicht warm. So entstand die Idee der hauseigenen Badeanstalt. Eine spezielle Baubewilligung brauchte es damals nicht. Ein Kran hievte das schwere Betonbecken aufs Dach und pünktlich zu seinem 60. Geburtstag war der Traum erfüllt.

Natürlich freute sich der Rest der Grossfamilie Lachenmeier. Jeder hatte ein kostenloses Saisonabo. Als mein Grossvater den Job als Badmeister abgab, übernahm die nächste Generation. Und einmal lag die Verantwortung des Bassins sogar für zwei Wochen bei mir. Ich nützte die Situation aus und feierte mit meinen Freunden bis in die tiefe Nacht hinein Sommerpartys. Onkel und Tante, die im Haus wohnten, waren «not amused».

Im Nachhinein habe ich dafür Verständnis. Was ich allerdings weniger verstand: Nach Übernahme des Hauses meiner Grosseltern bereiteten sie dem Badevergnügen auf dem Dach ein Ende. Wie konnten sie nur? Ich hab doch dort Schwimmen gelernt! Nun gut, der Traum von Onkel und Tante war halt eine Dachwohnung mit direkter Sicht aufs Münster. Kann man ihnen nicht verübeln. Allerdings bin ich sicher: Ich bin nicht das einzige Familienmitglied, das sich den wohlig warmen Pool auf dem Dach zurücksehnt. Was wohl Grossvater selig dazu sagen würde?