190 Millionen Menschen in 100 Ländern werden sich heute Abend während mindestens 90 Minuten ihres Lebens mit Basel beschäftigen. Abertausende Fans sind aus Andalusien und dem Nordwesten Englands hierhergepilgert, um den Europa-League-Final zwischen Liverpool und Sevilla zu sehen. Sie feiern schon im Voraus, sie trinken, essen und schlafen hier. Und wir sollten sie willkommen heissen, dankbar sein dafür, dass Basel für einen kurzen Moment zum Nabel der Fussballwelt wird, anstatt nur Nabelschau zu betreiben. 

Ja, der Super-Puma-Helikopter hat bereits gestern gewaltig genervt mit der ewigen Kreiserei über Basel. Ja, es ist mühsam, wenn das Drämmli ein paar Minuten zu spät kommt, weil irgendwo ein paar Fussballfreunde auf den Schienen abhängen mussten, statt auf eine Parkbank zu sitzen, wie es sich gehört.

Ja, für die direkten Anwohner des Joggeli wird es heute ziemlich mühsam. Ja, die Uefa ist kein Verein, dem man ohne zu zögern attestieren würde, er sei transparent, korruptionsfrei und nur von reinem Altruismus getrieben. Aber was am meisten nervt, ist das Gejammer über das eben Aufgezählte. 

Basel hat einmal alle paar Jahre die Chance, sich der Welt zu präsentieren. Nicht abgeschottet hinter geschlossenen Türen wie beim OSZE-Kongress und ähnlichen Veranstaltungen. Sondern auf allen Strassen und Plätzen der Stadt. Farbig, fröhlich und laut seitens der Besucher – und hoffentlich tolerant, freundlich und aufgeschlossen seitens der Besuchten. Morgen ist der Spuk vorbei, also geniessen wir ihn doch heute.