Wir warten darauf und wären froh, wenn Basel-Stadt mal einen Grundsatzentscheid fällen würde.» Mit dieser klaren Aussage lässt sich Thomas Rohrbach vom Bundesamt für Strassen (Astra) in der bz vom 14. Juni zitieren. Das ist mehr als nur ein Statement. Das ist ein eigentlicher Hilferuf und eine klare Aufforderung an den Basler Verkehrsdirektor Hanspeter Wessels, seine zögerliche Haltung zum Bau des Gundelitunnels doch bitte endlich aufzugeben.

Ob dies der passionierte Velofahrer aus der Ostschweiz aber überhaupt will, ist zu bezweifeln. Bereits nach der Ablehnung der Baselbieter Stimmbevölkerung von Elba befand er, jetzt brauche es auch den Gundelitunnel nicht mehr. Dies, obwohl damit ein wichtiger Teil eines äusseren Strassenrings um Basel realisiert würde, der sowohl die Stadt (und laut Astra insbesondere das Gundeliquartier) als auch die angrenzenden Baselbieter Gemeinden deutlich entlasten würde.

Dass der Bund sich mit 400 Millionen Franken am 600-Millionen-Projekt beteiligen will, scheint keine motivierende Wirkung auf das Basler Verkehrsdepartement zu haben. Auch dass der Bund für Betrieb und Unterhalt aufkommen würde, scheint die Verantwortlichen nicht zu kümmern. Keine Rolle spielen für Herrn Wessels, einen Regierungsrat der Sozialdemokraten, ganz offensichtlich auch umweltpolitische Überlegungen.

Denn der Gundelitunnel würde laut Fachleuten insbesondere die Luftqualität sowie die Lärmemissionen positiv beeinflussen. Und das Projekt würde nicht zuletzt auch den Ausbau des öffentlichen Verkehrs in der Stadt erlauben, dem Steckenpferd von Herrn Wessels.

Dass Basel-Stadt in der Frage des Gundelitunnels den Ball einmal mehr in Richtung Baselbiet schiebt, ist bei der Lösung unserer regionalen Verkehrsprobleme nicht hilfreich. Und auch nicht angebracht. Denn mit dem Zubringer Bachgraben wird das erste Stück einer stadtnahen Tangente unter Hochdruck geplant. Dabei geht es um die Umfahrung Allschwil, die vom Baselbieter Stimmvolk explizit so gewünscht wurde. Der Gundelitunnel würde die Tangente vervollständigen.

Mit anderen Worten: Im Baselbiet wird konsequent an der Lösung der Verkehrsprobleme gearbeitet, währenddessen Basel das Astra auf den St. Nimmerleinstag vertröstet. Fakt ist: Das Astra wartet nur auf den Startschuss aus Basel. Je eher dieser kommt, desto früher wird der Gundelitunnel realisiert werden können. Der Faktor Zeit ist absolut entscheidend. Denn das Astra kann keine unbegrenzte Zahl an Projekten zeitgleich umsetzen.

Es gilt wie so oft: «First come, first serve.» Würde also der Gundelitunnel aus dem Netzbeschluss gestrichen, würde sich die Region Basel einmal mehr in Bern zum Gespött machen. Denn irgendwann wäre das Projekt definitiv vom Radar des Astra verschwunden.

Man stelle sich vor: Eine der Schweizer Grossregionen, welche mit am meisten unter täglichen Staus zu den Stosszeiten leidet, wehrt sich «erfolgreich» gegen Entlastungsprojekte, die notabene zu einem wesentlichen Teil von Bern finanziert würden.

Ich bin bestimmt nicht die einzige die sich fragt, weshalb der zuständige Basler Regierungsrat nicht auf ausgewiesene Verkehrsfachleute hört. Erklären lässt sich dies nur mit einer Ideologie, die den Veloblick über alles stellt. Für einmal wünschte ich mir den Tunnelblick. Und dumm nur, dass diese Ideologie unsere Region Millionen Franken kostet.