Ich bin ein Scanner. Nein, kein Bürogerät, sondern ein Mensch, der so viele Interessen hat, dass er keines so richtig vertiefen kann. Denn nimmt man sich zu viel Zeit für das eine, bleibt ein anderes auf der Strecke.

So erklärte mir das jedenfalls eine andere Teilnehmerin an einem Kurs, dessen Inhalt ich dann nie weiter vertieft habe, als sie mich nach meinen Hobbys fragte. Ich antworte nämlich, ich hätte keine. Stattdessen würde ich zwischen Obsessionen wechseln. Das geht so: Während Wochen denke ich nur noch über eine Sache nach, eigne mir das nötige Know-how an – und wende mich dann dem nächsten zu. Letzten Winter strickte ich eine Mütze nach der anderen. Sogar meine Grossmutter kriegte eine – das war früher umgekehrt. Heute weiss ich nicht einmal mehr, wie man eine Masche anschlägt. In der Zwischenzeit hat Neues den Platz in meinem Hirn beansprucht. Etwa das Basteln von ausgeklügelten Couverts mit mehreren Fächern. Denn ich habe mir wieder eine Brieffreundin zugelegt, wie ich das einst als Kind hatte.

Am obsessivsten betreibe ich zurzeit das Lesen – ein schlechtes Hobby für Scanner. Spätestens ab Seite 5 werde ich ungeduldig, weil noch so viele Bücher auf meiner endlosen Leseliste sind. Zuoberst übrigens eines über Scanner. Die Online-Bewertungen sind vielversprechend. Auch wenn die oberste Userin zugibt, das Buch nur überflogen zu haben. Sie habe schliesslich noch ein Brot backen, über den Ersten Weltkrieg recherchieren und an ihrer Patchworkdecke nähen wollen. Ich weiss, was sie meint, schliesse die Rezensionen und google nach Nähanleitungen für Patchworkdecken.