Reinach meinte es zu gut. Die Gemeinde flickte auf die Liste mit den Wahlvorschlägen beim Falz eine Leerzeile ein. Hunderte Stimmbürger rissen den Zettel auseinander und machten ihn damit ungültig. Jetzt muss Reinach die Wahl wiederholen, die Blindzeile tilgen – und nochmals viel Geld ausgeben.

Trotzdem war der Entscheid der Baselbieter Regierung richtig. Zumindest im Grundsatz. Die Wahl ist zu wiederholen. Wenn fast 15 Prozent der Stimmenden nicht begreifen, wie sie ihr Wahlrecht korrekt ausüben können, dann darf die Wahl nicht zählen. Sonst leidet das Ansehen der Demokratie.

Ein anderer Entscheid mutet aber seltsam an: Dass die Wahlen am 5. Juni exakt gleich wie jene vom Februar, also mit denselben Kandidaten durchgeführt werden müssen, ist absurd. So müssen bereits gewählte Gemeinderäte nochmals antreten, obwohl sie als Exekutiv-Mitglieder gar nicht mehr wahlberechtigt sind. Ebenso muss davon ausgegangen werden, dass manche Kandidaten nach dem Februar-Ergebnis gar nicht mehr antreten wollen. Grotesk! So leidet das Ansehen der Demokratie gleichwohl. Es hätte gereicht, die Parteien, die teilnehmen dürfen, auf jene zu beschränken, die bereits im Februar angetreten sind. Dann wären die Parteien frei gewesen, für den zweiten Anlauf nur noch jene Kandidaten aufzustellen, die einen nochmaligen Wahlkampf wirklich wollen.