Dieser Mann ist ein Phänomen. Die Kritik kann noch so heftig, begründet und detailliert sein. Hans-Peter Wessels’ Antwort ist immer dieselbe: Man hätte genauer hinschauen können, man hätte früher eingreifen sollen und er übernehme die Verantwortung, sei aber nicht schuld. Künftig werde er es besser machen. Was in der Folge aber nicht eintritt. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der gmögige und rundum sympathische Wessels seine Aufgaben als Verkehrsdirektor nicht besonders ernst nimmt.

Sein Auftritt vor den Medien, mehr als 24 Stunden nach Bekanntwerden des vernichtenden GPK-Berichts, spricht diesbezüglich Bände. Statt diese Zeit zu nutzen, um mit einem klar umrissenen (Zeit-)Plan nicht nur die BVB-Million nachträglich zu legalisieren, sondern auch die BVB zu durchleuchten, beliess er es bei wolkigen Worten und ungefähren Angaben. Der Eindruck, den Wessels am Freitag (einmal mehr) hinterliess: Er hat keine Ahnung, interessiert sich nicht für Details, selbst wenn sie entscheidend sind, lässt lieber die Zügel schleifen und macht das, was er am besten kann: den umgänglichen Conférencier geben.

Dabei ist die Lage ernst. Das Betriebsklima innerhalb der Basler Verkehrsbetriebe ist nahe dem Nullpunkt. Das Sparprogramm mit dem sinnigen Namen «Avanti» geht weit über die Vorgabe der regierungsrätlichen Eignerstrategie hinaus. Dort ist von jährlichen Einsparungen von «maximal einer Million Franken» die Rede. Die BVB, vollständig im Besitz des Kantons Basel-Stadt, verordnete sich aber eine Abmagerungskur von 5 Millionen Franken pro Jahr. Wessels schritt nicht ein, liess Verwaltungsratspräsident Paul Blumenthal und sein Vize Paul Rüst gewähren, die eine supereffiziente, superschlanke und supererfolgreiche BVB basteln wollten – auf Kosten des Personals.

Hier liegt der eigentliche Skandal. Während man bei der Millionenzahlung an die französische Seite im Zusammenhang mit der Tramlinie 3 mit viel Goodwill noch von einer Verkettung unglücklicher Kommunikationspannen reden kann, ist das bei den BVB-internen Vorkommnissen nicht mehr möglich.

Ein runder Tisch, der als Folge des ebenfalls nicht sehr wohlwollenden GPK-Berichts vom Juni 2014 eingeführt wurde, an dem neben Departementschef Wessels einige seiner Chefbeamten und von Seiten der BVB nur der Verwaltungsratspräsident und Mitglieder der Geschäftsleitung teilnahmen, ist kein runder Tisch, sondern ein Selbstbestätigungsgremium. Warum hat Sozialdemokrat Wessels keine Mitarbeitervertretung dazu gebeten? Warum nicht eine externe Fachperson? Stattdessen hat er sich an den vorbelasteten und am Donnerstag zurückgetretenen Blumenthal und Rüst orientiert, an denen er stur festhielt. Aller Warnsignale zum Trotz. Das ist nicht einfach naiv. Das ist fahrlässig. Wessels hat in Sachen BVB als Regierungsrat versagt.

Es war nicht zu erwarten, dass er sich an der Pressekonferenz die Asche gleich eimerweise übers Haupt kippen, geschweige denn zurücktreten würde, aber ein Eingeständnis seiner Führungsdefizite hätte ihm eventuell etwas Glaubwürdigkeit zurückgebracht. Diese Chance hat er mit Anlauf vertan. Vor allem unterliess er es auch, seine Passivität zu erklären, nachdem die Millionenzahlung publik wurde. Er hätte längst reinen Tisch machen und der GPK so zuvorkommen können. Stattdessen blieb er seiner Linie treu, sass aus, verliess sich auf sein ansteckendes Lachen, das ihm am Freitag allerdings im Hals stecken blieb. Es gehe ihm nicht gut, vertraute er der Basler Journaille an.

Das dürfte den 1200 Angestellten der Basler Verkehrsbetriebe herzlich egal sein. Sie wollen – wie die Öffentlichkeit – Taten sehen und fragen sich: Was ist von ihm überhaupt noch zu erwarten? Nach Freitag lautet die Antwort: nichts. Wessels hat sich selbst aufs Abstellgleis rangiert, der als 55-Jähriger am Regierungsamt klebt, weil seine Pension noch nicht im Trockenen ist. Wie er da wieder hinaus kommen will, bleibt vorderhand sein Geheimnis.