Ich mag Feuer, seit ich ein Bub war. In meinem Büro habe ich einen Holzofen, zum Heizen für die Übergangszeit. Auch im Garten mache ich ab und zu gern ein Feuer. Allzeit achtsam, wie ich es bei den Pfadfindern gelernt habe. Nichts Schöneres, als beim Einnachten vor der hellen Wärme zu sitzen und zuletzt noch etwas in der Glut zu stochern. Für mich hat das etwas unbeschreiblich Beruhigendes, solche Stunden sind mir heilig: «Feu sacré»!

Am 31. Oktober 1517 hat Martin Luther an der Türe der Schlosskirche in Wittenberg seine 95 Thesen festgemacht. Manche Historiker bezeichnen diesen Thesenanschlag als einen symbolischen Türöffner auf dem Weg in die Neuzeit. Luther war sich kaum bewusst, was er damit auslöste. Wie ein reinigendes, heiliges Feuer gingen seine Gedanken zum christlichen Glauben und zur rechten Gestalt der römischen Kirche durch das ganze Deutsche Reich. Diese haben in der Folge sein eigenes und das Leben von Millionen Christen und Christinnen verändert. Sechzig Jahre später war Europa ein anderes, aufgeteilt in katholische und evangelische Ländereien und Nationen. Auch und sogar die Schweiz.

Eine Erkenntnis aus der Zeit Luthers ist, dass die Kirche als Institution sich stets den Anforderungen der jeweiligen Zeit und des konkreten Orts annähern und demgemäss organisieren muss. Sonst bleibt sie ungeerdet, unbegreiflich, wirkungslos. Sie beruft sich nicht auf das Gestern, auf alte Zeiten, sondern bringt die allein ewige Frohe Botschaft menschen- und zeitgerecht immer neu zur Sprache: «semper reformandum»! Ein Beispiel? Das Johannesevangelium neu erstmals in Oberbaselbieter Mundart – der Herzenssprache meiner Wohngegend!

Kirchliche Strukturen und Kirchenrecht der Landschäftler Reformierten gehen auf die Zeit nach dem letzten Krieg zurück. Da war die Gesellschaft völlig anders, beinahe 100 Prozent der Bevölkerung Kirchenmitglieder, katholisch (im Unterbaselbiet) oder reformiert (oberhalb der Hülftenschanze) – 2016 stellt man zusammen noch gut 60 Prozent. Da passt vieles nicht mehr, ist nicht mehr zeitgemäss – man muss nun dringend über die Bücher.

Heute, während Sie diese Zeilen lesen, sind wir interessierten Reformierten unseres Kantons nach Liestal geladen, um uns – unter dem Titel: «Feu sacré»/Heiliges Feuer – einen Tag lang inspirieren, anzünden und anstecken zu lassen. Wir sind miteinander im Gespräch und fragen danach, was für uns die Essenz der evangelischen Kirche ist – und wie wir unsere Kirche und die Kirchgemeinden ab 2020 für die Zukunft aufstellen wollen.

Heiliges Feuer bedeutet in der Bildersprache der Bibel Wirkung und Ausfluss des Heiligen Geistes (Apostelgeschichte 2). Energie, welche über den Menschen kommt, ihn packt, verwandelt, begeistert und kräftigt. Erst dieses Feuer macht aus dem Menschen eine Christin, einen Christen – und erneuert sie/ihn regelmässig. Jede Veränderung im privaten oder auch gemeinschaftlichen Leben macht nötig, sich von Altem, Vertrautem, vielleicht lieb- und selbstverständlich Gewordenem zu trennen – um Raum für Neues zu schaffen: Ich bin gespannt, was dereinst zurückbleibt, bleibt – und was neu wird.