Der Landbasler

Wie dauernd ist «dauernd gewährleistet»?

Blick aufs Laufental

Blick aufs Laufental

Der Landbasler versucht sich als Rechtsphilosoph. Zum Autor: Thomas Schweizer ist ein ehemaliger Lehrer am Basler Gymnasium Bäumlihof und heute als Buchautor und Literat tätig. Er lebt in Füllinsdorf.

Eine Woche vor der im Baselbiet heiss diskutierten Abstimmung zur Bruderholz-Initiative war ich als Gastreferent beim Rotary Club Angenstein eingeladen. Ich erzählte vom imposanten Schloss, von seiner wechselvollen Geschichte, vom Laufental und charakterisierte dabei Baselland in zwölf Punkten.

Die Gespräche vor und nach dem Referat waren animiert und humorvoll, weil sie wie immer bei solchen Gelegenheiten mit vielen Bonmots gewürzt wurden. Auch das Bruderholzspital war ein Thema, und «Liestal» bekam sein Fett ab. Nicht die Stadt, sondern die Kantonsregierung mit der Verwaltung und der Landrat. Natürlich: Eine kritische Begleitung und ein wachsames Auge auf die politischen Vorgänge von uns Bürgerinnen und Bürgern gehören zu einer lebendigen Demokratie. Für mich eine schauderhafte Vorstellung, wenn dem nicht so wäre.

Was auch nicht alle wissen: Seit 1951 gehört Schloss Angenstein dem Kanton Basel-Stadt. Das Laufental selber hatte sich im Jahre 1994 in einer denkwürdigen – wiederholten! – Abstimmung Baselland angeschlossen. Wie die oberen Täler gehört es zur Peripherie des Kantons, denn es liegt jenseits des «engen Steins» (Angenstein!), der Klus zwischen Aesch und Duggingen.

Das Laufental und Baselland: Das ist eine besondere Geschichte. Manchmal habe ich den Eindruck, das Tal würde wie das obere Baselbiet etwas stiefmütterlich behandelt. Erst nach dem Referat, aber noch vor der Abstimmung, ist mir dann eine gegensätzliche Gemeinsamkeit aufgefallen. Im Laufentalvertrag, Artikel 45, wird die Existenz des Feningerspitals, als Kantonsspital mit allen medizinischen Abteilungen, «dauernd gewährleistet». Eine andere Gewährleistung hingegen, nämlich die der Tagsatzung anno 1833 für den neuen Kanton Baselland enthält den Zusatz «…unter Vorbehalt einer freiwilligen Wiedervereinigung».

Nun kennen wir das Resultat der Spital-Initiative, und wer kann die Laufentaler nicht begreifen, wenn sie beunruhigt sind. Die gemeinsame Spitalgruppe der beiden Basel sieht einen massiven Abbau des Laufentaler Spitals vor. Wie lange währt jetzt «dauernd»?

So wie ich die Lage einschätze, wird dem Wort gerade die Zeit einer Generation eingeräumt. Der «Vorbehalt einer freiwilligen Wiedervereinigung» hingegen dauert bereits seit 184 Jahren und ein Ende ist nicht in Sicht. Es bleibt eine verflixte Sache mit Staatsverträgen. Meist legen sie die Mächtigeren und Einflussreicheren zu ihren Gunsten aus. Das wusste schon Machiavelli. Darum müssen die Laufentaler auf viel Goodwill und Sensibilität der Regierungen hoffen. Doch sollte es dereinst zu einem Gerichtsentscheid kommen, kann ich nur sagen: Es braucht ein besonderes Gspüri, um das richtige Urteil zu fällen.

Vorschlag eines simplen, aber heiter gestimmten Citoyens: «Das Spital Laufen ist dauernd gewährleistet unter Vorbehalt einer freiwilligen Veränderung durch die Laufentaler.» Ach, Frau Justitia, Ihre Weisheit ist jetzt gefragt. Ich traue aber der Regierung zu, selbst weise zu handeln. Zum Wohl der Laufentaler.

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