Es ist fast 100 Jahre her, aber der 11. November 1918 bleibt für Frankreich ein wichtiges Datum. Damals wurde bei Compiègne, 80 Kilometer nördlich von Paris, der Waffenstillstand zwischen den beiden Westmächten Frankreich und Grossbritannien und dem Deutschen Reich unterzeichnet. Damit war «La Grande Guerre», wie in Frankreich der Erste Weltkrieg genannt wird, beendet. Noch heute ist dort der Tag der «Armistice» ein gesetzlicher Feiertag. In unzähligen französischen Dörfern und Städten wird der gefallenen Soldaten an den jeweiligen Kriegerdenkmälern in einer feierlichen Zeremonie gedacht.

Am letzten Freitagvormittag, den 10. November, fand eine derartige Feier auch beim Monument aux morts im Basler Kannenfeldpark statt. Fahnenträger der Anciens Combattants, Veteranen von Marine und Fallschirmspringern, präsentierten unter dem Kommando des Lieutenant Colonel Elser die Fahnen, es gab eine Schweigeminute und der französische Generalkonsul Jean-Jacques Victor legte nach dem Verlesen einer Grussbotschaft der zuständigen Ministerin einen Kranz nieder. Auch Schülerinnen und Schüler der Ecole française de Bâle nahmen teil und lasen aus Briefen von Soldaten an der Front vor, sangen die Ode an die Freude und natürlich die Marseillaise.

Eine zutiefst französische Zeremonie mitten in Basel. Obwohl ich seit meiner Jugend ausgesprochen frankophil bin, hat mich das zuerst leicht irritiert. Die Erklärung geht bis auf den September 1887 zurück. Damals weihten in Basel wohnhafte Franzosen das Ehrenmal ein, das an die in Basel verstorbenen Soldaten der französischen Bourbaki-Armee erinnern sollte. Während des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71, den Frankreich verlor, wurde die Ostarmee von General Bourbaki mit 87'000 Soldaten in der Schweiz interniert.

In der ganzen Schweiz gibt es um die 30 französische Monuments aux morts. Die meisten von ihnen gehen auf den Krieg von 1870/71 zurück, wie mir Generalkonsul Victor erklärte. Eine Feier zur Armistice fand zum Beispiel am 11. November auch in Zürich auf dem Friedhof Manegg statt,

Das Basler Denkmal wurde nach dem Ersten Weltkrieg durch mehrere Inschriften wie «Honneur et Patrie 1914–1918» erweitert und nach dem Zweiten Weltkrieg mit Erinnerungstafeln wie «Morts pour la France pendant la guerre 1939–1945» ergänzt. Auf dem Obelisken finden sich zahlreiche Namen von Gefallenen. Ob es sich dabei ausschliesslich um Franzosen handelt, die damals in Basel lebten und von dort in den Krieg zogen, konnte am Anlass niemand mit letzter Sicherheit sagen.

Generalkonsul Jean-Jacques Victor verwies in seiner Ansprache darauf, dass sich die Zeremonien zum 11. November seit einem neuen Gesetz von 2012 nicht auf das Andenken an die gefallenen französischen Soldaten des Ersten Weltkriegs beschränken, sondern alle zivilen und militärischen Personen umfassen, die für Frankreich gestorben seien. Dazu gehören auch Militärs, die bei Auslandseinsätzen wie in Afghanistan fielen. Ausdrücklich bezog Victor auch die Opfer der Pariser Terroranschläge vom 13. November 2015 mitsamt der fünf Schweizer Schwerverletzten in das Andenken mit ein.

peter.schenk@bzbasel.ch