Gastkommentar

Wie Licht unser Verhalten beeinflusst

(Symbolbild)

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Gastkommentar über die Entdeckungen der Nobelpreisträger, die unser Leben verändern. Der Autor leitet in Muttenz den Baselbieter Standort des Forschungs- und Entwicklungszentrums CSEM. Der Familienvater lebt in Lausen.

Sie haben sicher auch schon gehört oder selbst erfahren, dass das sehr helle Licht von Displays Sie am Abend wachhalten kann. Der Grund dafür ist der hohe blaue Anteil des Lichts, der durch die weissen Leuchtdioden erzeugt wird, mit denen die Bilder projiziert werden. Aus diesem Grund gibt es Apps, die es erlauben, den blauen Anteil des Lichts Ihres Smartphones am Abend zu reduzieren und damit den Einfluss auf unsere innere Uhr zu reduzieren.

2017 wurde der Medizin-Nobelpreis für die Entschlüsselung der «Inneren Uhr» vergeben, also für die Entdeckung der Ursachen, wie der Mensch auf unterschiedliche Lichtquellen reagiert. Die Chronobiologen Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young entdeckten die molekularen Mechanismen, die den zirkadianen Rhythmus kontrollieren. Sie entschlüsselten damit einen fundamentalen Mechanismus, wie der Körper sich an den 24-Stunden-Tagesrhythmus anpasst.

Dieses Forschungsgebiet, das auch mit dem Begriff «Human Centric Lighting» umschrieben wird, zeigt damit neue Möglichkeiten für die Display- und Beleuchtungsindustrie auf, wie man mit den richtigen Lichtquellen den menschlichen 24-Stunden-Tagesrhythmus beeinflussen kann. Die Integration von neuen günstigen Sensoren und Kommunikationskonzepten in Beleuchtungssystemen würde die Produktion von innovativen Systemen für die intelligente Gebäudeautomatisierung erlauben mit dem Ziel, die Energieeffizienz, den Komfort, das Wohlbefinden und die Gesundheit zu optimieren.

Während die Produktion von LEDs nach Asien transferiert wurde, würden diese neuesten Entwicklungen es ermöglichen, dass Europa und die Schweiz bei diesen neuen Technologien zuvorderst dabei sind. Damit können neue Paradigmen für Produkte mit neuen Funktionalitäten und zusätzlichem Mehrwert mit hoher Integrationsdichte und kleinem Energieverbrauch vorangetrieben werden. Aus diesen Gründen gibt es in der Schweiz eine grosse Aktivität auf dem Gebiet sowohl an den Hochschulen als auch in der Industrie.

Auch in unserer Region gewinnt das Thema der Chronobiologie immer mehr Bedeutung. So gibt es an der Universität Basel das Zentrum für Chronobiologie, das sich intensiv mit dem Thema «Human Centric Lighting» befasst. Wichtige Themen sind dabei unter anderem der Lichteinfluss auf den 24-Stunden-Tagesrhythmus und den Schlaf sowie altersbedingte Veränderungen. Die Basler Chronobiologen haben unter anderem auch Zusammenhänge zwischen dem Lichtmangel im Winter und der Gewichtszunahme erforscht. Diese Arbeiten führten kürzlich zu Artikeln in der «Schweiz am Wochenende» und der bz.

«Human Centric Lighting» ist auch ein grosses Thema für die Europäische Kommission, die entsprechende Forschungsausschreibungen lancieren wird. Das Gebiet entwickelt sich sehr dynamisch und Entwicklungen, die wir heute noch für unmöglich halten, könnten morgen schon Realität sein.

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Musik und Licht einen positiven Einfluss auf Tiere haben, beispielsweise auf die Milchproduktion bei Kühen oder Eierproduktion bei Hühnern. Ausserdem hat die Beleuchtung (Lichtintensität und spektrale Verteilung des Lichts) auch einen grossen Einfluss auf das Wachstum von Pflanzen in Gewächshäusern.

Damit stellt sich natürlich die Frage, wie wir Menschen auf äussere Einflüsse reagieren. Musik wird schon seit den 70er-Jahren in Läden und Supermärkten benutzt, um unser Konsumverhalten zu steuern. Wie steht es mit dem Einfluss von Licht auf das Verhalten von Menschen? Auch daran wird gearbeitet.

So wird der zirkadianische Rhythmus mehr und mehr auch von Verkaufsläden ausgenutzt. Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass unterschiedliche Lichteinflüsse unterschiedlich positive Stimmung bei Kunden auslöst. Mit Hilfe der Neurowissenschaften und der Psychophysiologie konnte gezeigt werden, dass es klare Unterschiede in Bezug auf Lichtpräferenzen gibt. Dies ist sehr relevant, da es erlaubt, die Vermarktung von Produkten in Verkaufsläden zu verbessern, indem je nach Kundenstamm die Lichtverhältnisse angepasst werden.

Basierend auf dieser Studie hat ein Modeunternehmen die Erkenntnisse verwendet, um ihr Lichtdesign entsprechend anzupassen. Innerhalb weniger Wochen führte dies in einem der Verkaufsläden zu einer Steigerung des Umsatzes um zehn Prozent. Achten Sie also das nächste Mal darauf, wenn Sie einen Laden betreten, ob ihnen am Lichtdesign etwas auffällt. Sie könnten sich durch die wohlige Beleuchtung in einen wahren Kaufrausch hinein steigern.

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