Das Bruderholzspital entstand vor 44 Jahren als Symbol eines selbstbewussten Kantons Baselland. Mit dem Ergebnis aus nüchternen Reflexionen zu seinem Niedergang könnte es zum Nukleus für die Wiedervereinigung der beiden Halbkantone werden.

Die Sanierung des bis noch vor sechs Jahren blühenden Bruderholzspitals hätte schon vor der Jahrhundertwende angegangen werden sollen. Es musste diesbezüglich dem Kantonsspital Liestal hintanstehen und wurde dafür durch eine Serie von erstaunlichen Weichenstellungen ohne eine der Öffentlichkeit bekannte Strategie ausgeblutet. Mit dem Wegzug der Kinderklinik 2011 verschwand das sehr erfolgreiche Zentrum für Frau, Mutter und Kind. Der dann entwickelte Plan für eine moderne Frauenklinik in den frei gewordenen Räumen wurde urplötzlich aufgegeben, die Frauenklinik mit dem Belegarztspital Bethesda verschmolzen. Die Orthopädie, jahrelang internationalen Ruf geniessend, wurde im Rahmen einer Neuorganisation des Kantonsspitals Baselland geschwächt, mehrere Fachärzte zogen weg. So überraschte es nicht, dass sich die Zahlen verschlechterten.

Eine Hauptursache für diese Entwicklung sind die klammen Finanzen des Kantons. Diese Tatsache wurde beim Entzug der Grundversorgung des Bruderholzspitals weitgehend ausgeblendet. Verschwiegen wurde auch, dass die Investition von 1973 durch zwei Generationen ge- und verbraucht wurde, ohne Rückstellungen für eine Erneuerung zu bilden. Der Trend zu mehr ambulanter Medizin ist unbestritten. Deswegen das einstige zwölftgrösste, 440 Betten aufweisende Schweizer Spital mit grossem Einzugsgebiet gleich radikal auf eine minimale ambulante Rolle zu reduzieren, ist schweizweit ein Novum.

Wir erinnern uns: Erst 2014 wurde über eine Fusion der beiden Halbkantone abgestimmt. Basel-Stadt sagte Ja mit 54,9 Prozent, Baselland lehnte ab mit 68,3 Prozent. Am 21. Mai hat sich die Ausgangslage bereits wieder deutlich geändert. Nach dem Nein zur Wiedervereinigung wurde von offizieller Seite zwar betont, man wolle nun die Partnerschaft vertiefen. Dass dies nicht nur bei Bildung und Kultur, sondern auch beim schwierigsten Dossier, dem Gesundheitswesen, in Form einer gemeinsamen Spitalgruppe praktiziert werden solle, war damals noch nicht bekannt. Gleichzeitig manifestiert sich die sehr unterschiedliche Finanzkraft darin, dass sich die Landschaft mit dem kreativ begründeten Abschieben der stationären Patienten vom Bruderholz- zum Unispital in eine beklemmende Abhängigkeit des Stadtkantons begibt. Die Investitionen für die dadurch erforderliche Erhöhung der Kapazität des Unispitals werden über die Betriebsrechnung amortisiert. Baselland muss diese mittragen, kann sich zwar so vor dem Investitionsbedarf auf dem Bruderholz retten, wird dafür in Zukunft mit höheren Betriebskosten aus Basel konfrontiert.

Nach der emotionalen Auseinandersetzung über die Zukunft des Bruderholzspitals macht es Sinn, Pro und Kontra einer Wiedervereinigung nochmals unter die Lupe zu nehmen. Basel-Stadt würde seine finanzielle Stärke einbringen, dafür einen schweren Staatsapparat, Baselland räumliche Ressourcen und einen vergleichsweise schlanken Verwaltungsapparat. Den kommenden Generationen in der Nordwestschweiz wäre es zu gönnen, dereinst in einem vereinten, dezentral aufgebauten und effizienten Vollkanton mit normalisierter Staatsquote und ohne kräftezehrende Partnerschafts-Verlegenheitslösungen leben zu dürfen.