Das habe ich mich im November gefragt. Haben Sie bemerkt: Im vergangenen Monat ist unser kleines, bezauberndes Land ganz schön fremdbestimmt gewesen. Nein, nicht von Brüssels Bürokraten oder bösen, fremden Richterinnen um uns. Wir waren fremdbestimmt durch die USA. OMG – Oh my God?! Ja, Sie lesen richtig! Die Leute auf der anderen Seite des Atlantiks bestimmen zunehmend unseren ehemals ruhigen November.

Nach unseren Wertvorstellungen und Traditionen gilt der November als eher stiller Monat, auch des Totengedenkens. Das passt perfekt zum Herbst und den kürzer und kälter werdenden Tagen, passt zum fallenden Laub. Die beiden ersten Tage im Monat gehören dem Andenken in katholischen Kantonen, der dritte Sonntag demjenigen in reformierten Gegenden. Gott sei Dank hat nur eine Minderheit von Menschen jeweils aktuell Grund zum Trauern. Zu Ende geht der Monat für alle (versöhnlich) mit dem ersten Adventssonntag – und dann weiter flott Richtung Weihnachten und Jahresschluss!

Die Amerikanisierung der Schweiz war hauptbestimmt durch die US-Wahlen, die wochenlang Medien, Stamm- und Familientische dominiert haben. Und dass zuletzt statt der alten Lady Hillary der mediale Trampel Trump gewählt worden ist. Gefolgt von einem unendlichen Palaver hüben und drüben über das, was dieser ebenso alte Herr der Welt bringen wird: Apokalypse oder Freiheit. Kurz: Die Welt wird ihn wohl überleben.

Dass der Monatsbeginn nicht mehr von Allerheiligen oder der 550 Jahre alten Herbstmäss dominiert wird, sondern von Kindern, die an unserer Haustüre «Süsses oder Saures» rufen, aber gleichzeitig keine Ahnung haben, was Halloween eigentlich ist – daran haben wir uns bereits gewöhnt. Dass in den letzten Novembertagen – wohl nicht nur in Sissach – mitten im Weihnachtsgeschäft massenhaft Werbung ins Haus geflattert ist mit dem Titel: «Black Friday» – das ist zu viel des Guten! Um Himmels Willen, Oh mein Gott, liebe Leute, möchte ich rufen: Lasst unseren Freunden in den USA ihre Wahlen und Feiertage!

Wenn ich schon dabei bin: Lasst doch bitte im Oktober schon den lieben Bayern ihr Oktoberfest! Und stellt uns den Santiglaus nicht bereits Ende November vor die Geschäfte. Der gehört zum 6. Dezember. Lasst den Weihnachtsmann dort, wo er daheim ist, in den USA und im Norden. Kopiert nicht alles in jeder Schweizer Stadt und jedem Kaff! Bei vielen dieser «Importe» geht’s doch bloss um den Mammon, ums Business. Und wir schlucken das, auch aus lauter Langeweile, Indifferenz, zunehmender innerer Heimatlosigkeit?!

Wenn wir – globalisiert wie wir sind - weiterfahren, aus aller Welt neben Rohstoffen und Produkten auch deren Feste, Feiertage und Werbeaktionen zu importieren – dann haben wir bald 365 Tage Ausnahmezustand! Ich bin jetzt schon reif für die Alp – oder Insel. Aber vielleicht werde ich auch einfach langsam älter, oder leide unter November-Blues. Ich wünsche mir – und auch Ihnen – nichts als eine ruhige und besinnliche, schweizerische Adventszeit.