Kunstwerke verschrotten, das ist ein Tabu. Sie sind der Heilige Gral in den Hallen der Aufklärung. Was aber, wenn der Besitzer die Lagerung eines Werks nicht finanzieren kann oder will? Diese Frage wirft zurzeit eine Institution auf, die als Gral des helvetischen Selbstverständnisses gilt: die SRG.

Sie wird Ende Juli eine Skulptur des renommierten Eisenplastikers Paul Suter dem Alteisen übergeben, wenn sich nicht doch noch ein Interessent meldet. Die SRG hat sich ein Jahr lang um einen Abnehmer bemüht. Doch selbst Schweizer Museen, die Werke von Suter in der Sammlung haben, winken ab: zu gross, zu kostspielig, kein Platz im Lager.

Nun naht Rettung von privater Seite. Der SRG bleibt die Schmach wahrscheinlich erspart, aus Geldnot Kunst zu vernichten. Die Posse um Suters «Fanfare» wirft jedoch ein grelles Licht auf ein handfestes Problem der Kunstwelt.

Der Fall zeigt, dass selbst die staatlichen Museen mit der Übernahme von Werken überfordert sind. Wir sprechen von Kunst der Siebzigerjahre, die bereits zum Kanon gehört. Dieser wird Ausstellung für Ausstellung erweitert. Was de facto heisst, dass die darin aufgenommenen Werke in Zukunft eben nicht verschrottet, sondern gelagert werden sollten. Sie gehören zum Gedächtnis unserer Zivilisation. Wollen wir dieses erhalten, müssen die Archive der Museen immer weiter wachsen. Mit Blick auf das angebrochene Jahrtausend stellt sich jedoch die Frage: Ist das überhaupt möglich und sinnvoll?