Da setzt sich die Baselbieter Bildungsdirektion mit aller Kraft für die «Checks» ein, also für die umfassende, zeitraubende und teure Vermesserei unserer Schulkinder. Sie erliegt damit gleich mehreren ideologischen Irrtümern: der Verwechslung von Statistik mit Wissenschaftlichkeit; der Illusion, mit der Erhebung unzähliger Daten die Wirklichkeit besser in den Griff zu kriegen; der Anmassung, mit zentraler Steuerung von oben und mit Vereinheitlichung könne die Bildung verbessert werden; dem Irrglauben, mit einer Aufsplitterung in Tausende von «Kompetenzen» könne Bildung erfasst werden.

Jetzt wird ihr eigener Vermessungswahn der Bildungsdirektion von der «Starken Schule» um die Ohren gehauen und gegen sie verwendet. Und zwar genau in dem Moment, in welchem die Bildungsverwaltung zu etwas Vernunft kommt und postuliert, dass nicht alle Schülerinnen und Schüler und ihre Lehrpersonen mit demselben Lernmittel zum Erfolg kommen müssen, sondern dass mehrere erfolgversprechende Wege denkbar sind. Die Lehrpersonen sollen neu zwischen unterschiedlichen Lernmitteln dasjenige auswählen, welches am besten zu ihrem Unterricht passt.

Was die «Checks» mit riesigem Aufwand und unter hohen Kosten erfassen, geht weit an den wirklichen Problemen der Schule vorbei. In der Frage der Lernmittel für Französisch müsste man darüber streiten, welche Ziele man erreichen will (Ziele, nicht Kompetenzenwirrwarr). Der bisherige «traditionelle» Französischunterricht krankte daran, dass sehr viele Deutschschweizer Schülerinnen und vor allem Schüler nicht gerne Französisch lernten und trotz grossem Aufwand nicht sehr weit kamen. Viele wurden durch den Französisch-Unterricht und ihre Noten so abgeschreckt, dass sie als Erwachsene jetzt stolz sind, kein Französisch zu können.

Die früheren Lernmittel «Envol» und «Bonne Chance» mit allen ihren Qualitäten wurden von den «traditionellen» Sekundarlehrkräften und Gymlehrern übrigens damals, als sie eingeführt wurden, auch als untauglich verteufelt. Wenn die neuen Lernmittel «Mille Feuilles» und «Clin d’Oeil» mithilfe von engagierten Lehrkräften, die sich auf den Lehrgang einlassen, dazu führt, dass etwas weniger Schülerinnen und Schüler von der französischen Sprache abgeschreckt werden, wenn sie Vertrauen fassen und die Erfahrung machen, dass sie mit Hilfsmitteln sehr wohl französisch Gesprochenes oder Geschriebenes verstehen können und sich sogar bei entsprechender Vorbereitung französisch verständlich machen können – dann ist das ein gewaltiger Fortschritt.

Ob die neuen und schon zum Voraus von der «Starken Schule» verdammten Lernmittel dieses Ziel erreichen, ist noch unklar, die Ansätze sind aber durchaus vorhanden. Vor allem aber taugen die «Checks» nicht dazu, diese Frage zu klären, denn es geht um komplexere Dinge als das, was in diesen «Checks» gemessen wird. «Checks» können, wie alle Tests und Prüfungen, immer nur messen, wie gut jemand genau die Aufgaben auf diese Art lösen kann, wie sie im Test vorgegeben werden, und das zu einem zufälligen Termin, der den Getesteten von seiner Tagesform abhängig macht.

Wenn die Bildungsdirektion jetzt zur Erkenntnis kommt, dass die «Checks» nicht Auskunft geben können über die Erreichung der Lernziele, dann ist das wenigstens ein wichtiger Schritt weg von den bisherigen ideologischen Irrtümern. In der bz wurde neulich der Leiter des Amts für Volksschulen folgendermassen zitiert: «Der direkte Vergleich zwischen den Kompetenzstufen der Checks und den Lernzielen des Lehrplans ist nicht zulässig.» Und weiter hiess es: «Lüthy möchte denn auch keine Aussage machen, ob die Resultate der Checks auf schlechte Französisch-Kenntnisse schliessen lassen.»

Es ist sehr verdienstvoll, dass Herr Lüthy die Aussagekraft der «Checks» so eindeutig relativiert. Man wird die kantonale Bildungspolitik bei den weiteren Auseinandersetzungen hoffentlich auf diese Erkenntnisse und Aussagen behaften dürfen.

*Der Autor ist pensionierter Gymnasiallehrer und unterrichtet derzeit an der Schule für Offenes Lernen in Liestal, deren Stiftungsrat er präsidiert. Er gehört als SP-Vertreter dem Liestaler Einwohnerrat an.