Kommentar

Wunderlicher Musical-Deal: Basel geht schon wieder ein Kulturrisiko ein

«Fragwürdig ist vor allem, was die Stadt mit diesem Musical Theater will», kommentiert Andreas Schwald.

«Fragwürdig ist vor allem, was die Stadt mit diesem Musical Theater will», kommentiert Andreas Schwald.

Dass die Stadt Basel der MCH Group AG die Messehalle 3 abkauft, um Wohnraum zu bauen, ist richtig. Das angeschlagene Messe-Unternehmen verfügt mittlerweile über zu viele leere Flächen, die Stadt hingegen über viel zu wenig Platz, um neuen Wohnraum zu schaffen. Die Halle 3 liegt an der Peripherie des Geländes und ist alt. Der Entscheid dürfte den Messe-Verantwortlichen nicht schwergefallen sein. Dass der Verkauf ohne weiteren Einbezug des Parlaments oder der Bevölkerung vollzogen wurde, zeugt allerdings von wenig politischem Fingerspitzengefühl.

Fragwürdig ist vor allem, was die Stadt mit diesem Musical Theater will. Es handelt sich um einen der grössten Säle in Basel. Doch das Haus ist in die Jahre gekommen, Musicals haben sich nie wirklich durchgesetzt. Zudem zeugt der Preis in der Höhe eines «tieferen einstelligen Millionenbetrags» für das Gesamtpaket davon, dass die Ertragsaussichten für beide Liegenschaften als gleichermassen gering eingeschätzt werden.

Im schlimmsten Fall muss sich die Regierung nun um die Sanierung, Bespielung und Finanzierung eines weiteren Theaters kümmern. Im besten Fall reisst sie dieses ab und gibt das Areal ebenfalls für den Wohnungsbau frei. Für die MCH Group AG hat sich der Deal auf jeden Fall gelohnt. Sie muss sich um zwei alte Gebäude weniger kümmern und kann sich immer noch überlegen, wem sie beizeiten weitere Hallen verkauft – wann und wie sie will.

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