Wer kennt sie nicht, die Mails, bei denen man von vornherein weiss, dass unlautere Absichten dahinterstecken. Zum Beispiel, wenn eine gewisse Yolanda, nach eigenen Angaben «der Personalleiter einer grossen, internationalen Firma» (sic!), in krudem Deutsch nach Mitarbeitern sucht, die für 3000 bis 6000 Euro von zu Hause aus für sie arbeiten. Bei Interesse solle man auf den angehängten Link klicken – was man natürlich eben gerade nicht tun soll.

Doch in der Mailbox von Journalisten landen neben klassischen Spam-Mails auch solche, denen keine kriminellen Hintergedanken zugrunde liegen: Die Absender erhoffen sich einfach, im redaktionellen Teil der Zeitung oder des Online-Auftritts unterzukommen. Denn sie wissen: Die Erwähnung ihres Produkts oder ihrer Dienstleistung in einem Artikel ist nicht nur günstiger als ein Inserat, sie geniesst bei den Lesern auch mehr Glaubwürdigkeit.

Da wäre zum Beispiel der «Kölner Nachwuchsmusiker», dem «jedes Mal fast der Atem stockte», wenn er auf seinem neuen «Meistercello» spielte. Dieses wurde von einer Firma gesponsert, die sich auf Streichinstrumente als Wertanlage spezialisiert hat. Toll war auch das Rezensions-Angebot für ein Buch über Magda und Bernhard Bauer. Sie kennen die beiden nicht? Nun, sie sind seit 1966 verheiratet, leben am Stadtrand von Wien und – Achtung, jetzt kommts! – sie haben just zur goldenen Hochzeit ihr «Lust- und Liebesleben neu entdeckt». Schön, wissen wir jetzt, dass sie neuerdings Sex-Shops besuchen und sogar schon mal einen Callboy gebucht haben.

Lieber Verlag: Danke für eure Bemühungen. Einen seriöseren Artikel als diesen hier können wir aber leider nicht bieten.

antonio.fumagalli@azmedien.ch